Viele Schafe werden im Spätsommer gedeckt und sind aktuell tragend. Obwohl der Bedarf an Kalzium für den Knochenaufbau der ungeborenen Lämmer hoch ist, sollte insbesondere im letzten Trächtigkeitsdrittel auf eine eher kalziumarme Futterration geachtet werden. Damit die Muttertiere ihren Kalziumbedarf abdecken können, ist die Mobilisierung der Kalziumvorräte aus den Knochen unumgänglich. Die geringere Menge an Kalzium aus dem Futter erleichtert die hormonelle Umstellung des Stoffwechsels für die Freisetzung der körpereigenen Kalziumreserven. Aus diesem Grund sollten gegen Ende der Trächtigkeit beispielsweise Futter- oder Zuckerrüben bedingt durch deren hohe Kalziumgehalte in der Fütterung nicht eingesetzt werden.

Vitamin D ist im Stall vermindert verfügbar

Auch bei Silagen/Dürrfuttern mit hohen Anteilen Leguminosen oder Luzerne ist Vorsicht geboten, da diese im Vergleich zu Gräsern deutlich höhere Kalziumgehalte aufweisen. Zudem ist darauf zu achten, dass Stresssituationen sowie grosse körperliche Anstrengungen bei trächtigen Tieren vermieden werden, da diese ebenfalls einen negativen Einfluss auf die hormonelle Umstellung des Stoffwechsels haben.[IMG 2]

Die Kalziumaufnahme aus dem Futter sowie die Kalziummobilisierung aus den Knochen wird durch das Vitamin D unterstützt. Insbesondere bei Tieren, die eingestallt sind, ist auf die ausreichende Versorgung mit Vitamin D über den Mineralstoff zu achten. Vitamin D wird durch den Kontakt mit Sonnenlicht in der Haut produziert und ist somit für Tiere in den Stallungen vermindert verfügbar.

Reserven währende der Trächtigkeit bilden

Wenn der Kalziumspiegel im Blut zu stark absinkt, weil die Schafe das Kalzium aus den Knochen nicht mobilisieren können, tritt die Stoffwechselkrankheit Milchfieber auf. Bei den Schafen tritt die Krankheit oft bereits vor der Geburt auf. Am meisten gefährdet sind Auen mit Mehrlingsträchtigkeiten. Gegen Ende der Trächtigkeit benötigt nicht nur die Mineralstoffversorgung vermehrte Aufmerksamkeit, im letzten Drittel steigt auch der Nährstoffbedarf der Auen rasch an. Das Verzehrvermögen sinkt jedoch, da die Lämmer zunehmend mehr Platz im Bauchraum beanspruchen. Bei tendenziell unterernährten Tieren ist eine schrittweise Steigerung der Kraftfuttergabe sinnvoll. Mit Beginn der Laktation steigt der Nährstoffbedarf dann stark an und es werden körpereigene Reserven mobilisiert – Reserven, die idealerweise bereits während der Trächtigkeit angelegt wurden.