Die Phase rund um die Ablammung, die Transitphase, ist auch bei Schafen eine sensible Zeit. Untersuchungen der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) zeigen, dass sowohl Fleisch- als auch Milchschafe in dieser Zeit mit zu wenig Energie versorgt sind.
Danja Wiederkehr, Geschäftsführerin des Beratungs- und Gesundheitsdiensts für Kleinwiederkäuer (BGK) und ehemalige Lehrperson an der HAFL, stellte die Ergebnisse in einem vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) organisierten Webinar vor.
«Die Tiere erholen sich nur minimal»
Eine Bachelorarbeit bei Fleischschafen untersuchte unter anderem den Verlauf der Körperkondition während der Trächtigkeit und Laktation. Bereits im letzten Trächtigkeitsmonat zeigten die Tiere mit einem anfänglich guten Body Condition Score (BCS) von 3,5 einen deutlichen Konditionsverlust. Dieser setzte sich bis zur Ablammung fort und sank auch danach weiter ab. «Bis zum 72. Laktationstag erholen sich die Tiere nur minimal», so Danja Wiederkehr.
Energie- und Proteinbedarf Ende Trächtigkeit nicht gedeckt
Eine Erklärung lieferten die parallel durchgeführten Futteranalysen. So deckten Grund- und Kraftfutter den Energiebedarf im fünften Trächtigkeitsmonat nicht ab. Auch in der Startphase konnte der Energiebedarf nur knapp gedeckt werden, der Proteinbedarf hingegen nicht. Die Milchmenge der Tiere sei häufig nicht ausreichend für die Lämmer gewesen und diese mussten zusätzlich getränkt werden.
Ähnliche Ergebnisse zeigte auch eine weitere Bachelorarbeit bei Milchschafen. Im Unterschied zu den Fleischschafen wiesen die Milchschafe bereits vor der Laktation einen tieferen BCS auf. Zusätzlich wurden bei vielen Tieren erhöhte Ketonkörperwerte gemessen, was auf das Auftreten von subklinischen Ketosen hindeutet (wir berichteten).
Phasenfütterung in der Transitphase würde helfen
Die Studien machen laut Danja Wiederkehr deutlich, dass die Transitphase beim Schaf ein zentrales Risiko für Stoffwechselbelastungen und Tiergesundheit darstellt. Eine bedarfsgerechte Fütterung muss sich dabei an Alter, Gewicht, Leistung und Trächtigkeitsstadium orientieren. Idealerweise erfolge dies über eine Phasenfütterung und der Unterteilung der Tiere in Gruppen je nach Trächtigkeits- oder Laktationsstadium:
Bis zum vierten Trächtigkeitsmonat: Hier ist der Energiebedarf noch relativ gering. Die Futteraufnahme liegt bei etwa 1,3 kg Trockensubstanz pro Tag und kann in der Regel mit gutem Grundfutter gedeckt werden. «Das ist die Zeit, in der zu magere Tiere, wenn immer möglich aufgefüttert werden sollten», erklärt Danja Wiederkehr. Zu fette Tiere sollten hingegen eher restriktiv gefüttert werden, da sich ansonsten das Risiko für Aborte oder Fehlgeburten erhöht. Als Kontrollinstrument dient der Body Condition Score, wobei ein BCS von etwa 3 angestrebt wird.
Vierter bis fünfter Trächtigkeitsmonat: In dieser Zeit steigt der Energiebedarf deutlich an, während die Futteraufnahme nicht im gleichen Mass zunimmt. Grund dafür ist das starke Wachstum der Föten, insbesondere im letzten Trächtigkeitsmonat, wodurch das Pansenvolumen eingeschränkt wird. Gleichzeitig steigt auch der Bedarf an Calcium und Phosphor stark an. Hier liege womöglich der Knackpunkt: «Ich vermute, der Bedarf der Tiere liegt hier sogar noch etwas höher als bisher angenommen, leider gibt es bisher erst wenige Forschungen dazu», erklärt Danja Wiederkehr. Möglicherweise müsste bereits im letzten Trächtigkeitsmonat energiereicher gefüttert werden, damit die Tiere ihren BCS besser halten und nach der Ablammung nicht so stark an Kondition verlieren.
Ein häufig diskutiertes Thema ist dabei die Kalciumversorgung. Anders als bei Milchkühen, bei denen in der Galtphase bewusst calciumarm gefüttert wird, benötigen Schafe auch im letzten Trächtigkeitsmonat ausreichend Calcium für das Wachstum der Föten. Eine calciumarme Fütterung wäre hier kontraproduktiv. «Bei den Schafen gibt es keine Phase, in der gezielt calciumarm gefüttert werden sollte», betont Danja Wiederkehr. Eine kontinuierliche Mineralstoffversorgung sei eher essenziell.
Erster und zweiter Laktationsmonat: Der Energiebedarf ist aufgrund der Milchbildung stark erhöht – sowohl bei Milch- als auch bei Fleischschafen. Nach der Ablammung steigt zwar die Futteraufnahme wieder an, da im Pansen wieder mehr Platz vorhanden ist. Dennoch zeigt sich insbesondere bei saisonaler Ablammung und Winterfütterung mit überwiegend Grundfutter, dass der Bedarf oft nur knapp oder gar nicht gedeckt werden kann, wenn keine oder nur begrenzte Kraftfuttergaben möglich sind. Die Folge sind anhaltende Konditionsverluste, ungenügende Milchleistung und ein erhöhtes Risiko für Ketosen.

