Eltern kennen das: Kinder haben schnell einmal Fieber, das unter Umständen hoch sein kann. Dann leidet man mit – und die Unsicherheit ist gross, vor allem beim ersten Kind oder je kleiner es ist. Soll man das Fieber medikamentös senken oder nicht?

Solche Fragen besorgter Eltern kennt auch Apothekerin Sarina Müller von der Toppharm-Apotheke und Drogerie in Aarberg BE. «Fieber ist eine normale und unter Umständen gewollte Abwehrreaktion des Körpers», sagt sie – und liefert die Definition von Fieber bei Kindern gleich mit:

Bei Kindern gilt eine Temperatur ab 38.5 °C als Fieber, bei Säuglingen unter drei Monaten bereits eine Temperatur ab 38.0 °C als Notfallsituation.

Die drei Phasen: Fieberanstieg, Fieberplateau und Fieberabfall

Fieber wird in drei Phasen unterteilt:

  1. Fieberanstieg:
    Der Körper beginnt zu frösteln, man fühlt sich schwach. Da die Wärme im Innern konzentriert wird, können Hände und Füsse kühl wirken. Das Kind sollte in dieser Phase zugedeckt werden, wenn es friert – aber nicht gekühlt oder in eine kühle Umgebung gebracht werden. Hat es zu warm, darf es leichter zugedeckt werden.
  2. Fieberplateau:
    Der ganze Körper nimmt wieder überall die gleiche, in diesem Fall erhöhte Temperatur an – auch Hände und Füsse werden wieder warm. In dieser Phase sind Ruhe und ungestörter Schlaf sehr wichtig.
  3. Fieberabfall:
    Das Kind beginnt am ganzen Körper zu glühen, da sich die Wärme erneut verteilt. Auch hier sollte es nicht in eine kühle Umgebung gebracht werden. Beginnt es jedoch zu schwitzen, kann es leicht abgedeckt werden.

«Im Fokus steht immer das Wohlbefinden des Kindes», hält Sarina Müller fest. Das Kind soll immer ausreichend trinken, und wenn der Appetit vorhanden ist, darf es gerne leichte Kost wie Bouillon, Joghurt oder Apfelmus essen. Zwingen sollte man es jedoch nicht.

Welche Warnzeichen gibt es?

Wenn ein Kind weniger als drei Monate alt ist und rektal eine Temperatur von 38 °C gemessen wird, sei Fieber allein ein Grund, dringend eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, erklärt Müller.

Ist das Kind älter, kann man sich zusätzlich folgende Fragen stellen:

  • Ist es benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar oder stark schläfrig?
  • Reagiert es empfindlich auf Berührungen?
  • Hat es starke Schmerzen?
  • Schreit es schrill und lässt sich kaum beruhigen?
  • Sind Hautausschläge vorhanden, die sich mit einem Glasspatel nicht wegdrücken lassen (sogenannte Hauteinblutungen)?
  • Sind Wangen und Augen eingefallen, bleiben Hautfalten stehen, wenn man die Haut zusammendrückt?
  • Hat es in den letzten 12 Stunden kaum getrunken oder uriniert?
  • Wirkt es schwer krank?
  • Leidet es unter Atemnot oder atmet sehr schnell?
  • Hält das Fieber länger als drei Tage an?
  • Hat das Kind zusätzlich starke Ohren- oder Halsschmerzen, Fieberkrämpfe oder Nackensteife?

Wird eine dieser Fragen mit Ja beantwortet, sollte sofort ärztliche Hilfe aufgesucht werden.

Wann muss es ein Fiebermittel sein?

Solange das Kind noch spielt, trinkt und ein wenig isst, muss das Fieber nicht sofort mit Medikamenten gesenkt werden. «Kinder sind robuster, als man denkt, und zeigen durch ihre Körpersprache, ob ein wenig Ruhe und Zuneigung bereits ausreichen», sagt Sarina Müller. Die Höhe der Temperatur (bei Kindern über drei Monaten) hat dabei weniger Einfluss auf die Entscheidung, ob ein fiebersenkendes Medikament nötig ist, als der Allgemeinzustand des Kindes.

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Das sind häufige Fehler

«Es ist wichtig, dass sich Kinder lange genug erholen können», rät Müller. Am besten bleibt das Kind einen ganzen Tag fit und fieberfrei zu Hause, bevor es wieder in die Kita oder Schule geht. Oft kommt auch die Frage auf, ob Antibiotika die Genesung beschleunigen würden. «In den meisten Fällen haben Kinder keinen bakteriellen Infekt, sondern einen Virus eingefangen», sagt Müller. Diese lassen sich in der Regel mit fiebersenkenden oder sogar ganz ohne Medikamente behandeln. Antibiotika sollten nur eingesetzt werden, wenn ein bakterieller Erreger vom Arzt oder der Ärztin nachgewiesen wurde.

Ein weiterer häufiger Fehler: Eltern geben vorbeugend fiebersenkende Medikamente, etwa, um Fieberkrämpfe oder Impfnebenwirkungen zu vermeiden. Dies ist – ausser bei der Meningokokken-B-Impfung – nicht zu empfehlen, da keine vorbeugende Wirkung belegt ist.

Auch das richtige Messen der Temperatur ist wichtig:

  • Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte ausschliesslich rektal gemessen werden.
  • Bei Kindern und Jugendlichen kann man zusätzlich ein Ohrthermometer verwenden.
  • Messungen unter der Zunge sind bei grösseren Kindern möglich, aber weniger genau. Das gilt auch für die Messung unter den Achseln.

Welche Mittel eignen sich?

«Die Mittel der Wahl sind bei Kindern Paracetamol oder Ibuprofen», erklärt Sarina Müller. Beide Wirkstoffe werden nach dem Körpergewicht des Kindes dosiert.

Soll nur das Fieber gesenkt werden und bestehen keine weiteren Beschwerden, reicht Paracetamol aus – als Zäpfchen oder Sirup. Ist das Fieber mit zusätzlichen Symptomen verbunden, zum Beispiel Ohrenschmerzen, kann man auch zu einem Ibuprofen-Sirup greifen, da dieser zusätzlich entzündungshemmend wirkt.

Bei anhaltenden Symptomen sollte man sich in der Apotheke oder Arztpraxis beraten lassen, um eine schwerere Infektion auszuschliessen. Die Wahl der Darreichungsform ist individuell: Sirup lässt sich genauer dosieren, Zäpfchen können schon im frühen Kindesalter angewendet werden.

Welche Alternativen gibt es?

Lindenblütentee wirkt schweisstreibend und kann Kindern (ab einem Jahr) helfen, das Fieber besser zu überwinden. Auch Wadenwickel können während des Fieberplateaus hilfreich sein. Wichtig ist, dass der Wickel nicht zu kalt ist – sonst versucht der Körper, die Beine wieder aufzuwärmen.

Am besten nässt man ein Tuch mit Wasser, das etwa 5 °C kälter als die Körpertemperatur ist, wickelt es sorgfältig um die Waden und deckt es mit einem trockenen Tuch ab. Nach ein paar Minuten kann der Wickel entfernt und nach 10 bis 20 Minuten erneut angewendet werden – bis zu drei Durchgänge sind möglich.