Janine Leuenbergers Lieblingskuh «Nina» steht sauber herausgeputzt im Auslauf auf der Maiterie d’ Evilard. «Nina ist mir besonders ans Herz gewachsen. Ich durfte miterleben, wie sie vom Kalb zur Kuh wurde» erzählt Janine Leuenberger, «aber sie lässt sich nicht alles bieten und geht auch mal ihren eigenen Weg».
Als hätte die reinrassige Simmentaler Kuh zugehört, dreht sie vor dem Fotoshooting eine Extra-Runde durch den winterlichen Hof. Ein kalter Wind weht über den Leubringenberg in Orvin BE, das Restaurant hat Saisonpause, und die Sömmerungstiere sind in die Talbetriebe zurückgekehrt. Hier in der Maiterie d’ Evilard bleiben die Mutterkuhherde, zu der auch «Nina» gehört, sowie die Pferde.
Vom Emmental in den Berner Jura
Auch Janine Leuenberger wird bald ihre Sachen packen und weiterziehen. «Ich bin nicht gerne angebunden», sagt die 23-Jährige, «und ich liebe Abenteuer». Sie ist seit vielen Jahren mit der Pächterin der Maiterie freundschaftlich verbunden und hilft bei ihr aus, wenn sie Zeit hat. Die Idee, nach der Ausbildung in der Pflege noch eine landwirtschaftliche Ausbildung anzuhängen, ist auch hier auf dem Leubringenberg entstanden. Die junge Landwirtin stammt, wie die Pächterin, ursprünglich aus dem Emmental, so kannte man sich. Janine Leuenberger ist zwar nicht auf einem Bauernbetrieb aufgewachsen, doch für Tiere und Maschinen hat sie sich schon immer interessiert. Seit ihrer Kindheit reitet sie regelmässig.
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Abenteuer Swiss Skills
Ohne langes Zögern entschied sich Janine Leuenberger nach ihrem Lehrabschluss zur Fachfrau Gesundheit EFZ für eine Lehrstelle als Landwirtin EFZ im Emmental. Als sie im Internet nach einem neuen Sattel für ihr Pflegepferd suchte, fand sie nebenbei die Lehrstelle für das zweite Ausbildungsjahr im Kanton Zug. Ihre Lehrbetriebe bildeten das erste Mal eine Frau aus, doch das erwies sich nicht als Nachteil.
Beide Lehrbetriebe halfen denn auch aktiv mit, als sie sich letztes Jahr für die Swiss Skills anmeldete. «Klar hatte ich den Ehrgeiz, einen guten Rang zu erzielen» berichtet sie, «doch ich sagte mir, dass man das Spezielle genauso würdigen muss und habe von Anfang an auch ein Fest daraus gemacht». Sie schwärmt von der Atmosphäre, der Unterstützung durch die Lehrbetriebe, ihren Freundinnen und Freunde und ihrer Familie. «Das war ein Toperlebnis und hat mich motiviert, beruflich weiterzugehen», erzählt sie begeistert.
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Die beiden Berufe verbinden
Derzeit absolviert sie die Betriebsleiter- und Betriebsleiterinnenschule am Inforama Rütti. Sie möchte einmal selber einen Betrieb führen und Lernende ausbilden. «Ich würde gerne auch Betreuungsplätze für ältere Menschen anbieten», beschreibt Janine Leuenberger ihre Zukunftspläne, «so könnte ich meine beiden Berufe miteinander verbinden». Ihre Liebe zu ihren Berufen ist im Gespräch sehr präsent. Wenn im Alltag etwas schief geht, wie etwa eine frisch zurechtgemachte Kuh, die erst einmal eigene Wege geht, so nimmt sie es mit Humor und sieht das Positive darin. «Das sind wertvolle Ressourcen, wenn jemand widerspenstig ist, und es zwingt mich, andere Denkweisen und Wege zu finden. Das ist das Spannende, sowohl mit den Menschen wie auch mit den Tieren.»
Wenn Janine Leuenberger auf den Leubringenberg kommt, besucht sie stets ihre Lieblingsbank hoch oben, wo sie die weite Sicht und die Ruhe schätzt. «Hier geniesse ich die Freiheit», erklärt sie, «und es wird mir immer wieder bewusst, wie klein wir doch sind und wie fest wir einander brauchen». Ihre Familie ist ihr sehr wichtig, auch zu ihrer Schwester, die Drogistin gelernt hat, pflegt sie eine enge Beziehung. Am liebsten würde sie ihre Familie in ihre Zukunftspläne integrieren. Doch bis es so weit ist, dauert es wohl noch einige Zeit.
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Mit dem «Töffli» über den Albula
Sie liebt die Vielseitigkeit in ihrem Alltag, da ist klar, dass auch ihr Hobby reich an Abwechslung und Abenteuer sein muss. «Mit meinem Töffli habe ich schon einige Pässe der Schweiz bezwungen», erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem Vater hatte sie im Rahmen ihrer Neuntklass-Arbeit ein Töffli der Marke «alpa turbo» instandgesetzt. Seither ist sie schon über 2000 Kilometer gefahren, meistens gemeinsam mit einem guten Freund, mit dem sie immer wieder neue Touren plant. «Unsere letzte Tour ging nach Rust, da waren wir insgesamt eine Woche unterwegs», berichtet sie mit leuchtenden Augen. Im Anhänger hat alles Platz, was für einen mehrtägigen Ausflug nötig ist, inklusive einer Werkzeugkiste für allfällige Reparaturen.
Fragen an Janine Leuenberger
Was möchten Sie besser können?
Mit Zahlen jonglieren
Was macht Sie schlaflos?
Differenzen mit Freund:innen oder meiner Familie
Was können Sie besonders gut?
Mit Menschen und Tieren umgehen
Wie lautet Ihr Leitspruch fürs Leben?
Wenn Du etwas machst, mach’s mit Freude, Humor und Überzeugung und nicht halbpatzig
Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig?
Sich Zeit zu nehmen; füreinander, aber auch für sich
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