25 Jahre hat Kurt Hablützel an seiner Eisenbahnanlage im Massstab 1:32 gebaut. Seine 25 Züge – zur Hälfte eigenhändig gebaut – befahren ein verschlungenes Schienennetz auf einer Fläche von rund 25 mal 18 Meter auf dem Dachgeschoss seiner Mosterei. Aber das ist noch nicht alles, denn die Schienen seiner Lötschberg-Linie führen sogar in Kehrtunnels ins Erdgeschoss hinunter. Hablützel ist Landwirt mit sieben Hektaren Acker, anderthalb Hektaren Reben und einer Mostobstanlage von 60 Aaren. Im Untergeschoss seiner riesigen Eisenbahnanlage presst und pasteurisiert er im Herbst jeweils um die 60 000 Liter Süssmost – grösstenteils im Lohn – aber auch weissen und roten Traubensaft. So finde er seinen Ausgleich, erzählt er an diesem regnerischen kühlen Dezembertag: «Ich schaffe gerne in den Reben, aber ich liebe es auch an meiner Modellbahn zu bauen. Beides macht mir Freude».
Von der Märklin zum Krokodil
Schon als kleiner Bauernbub bewunderte Kurt Hablützel die Züge der deutschen Hochrhein-Bahn Basel – Singen (D), welche auch heute noch durch das Dorf Wilchingen fahren. Die Schienen der Hochrhein-Bahn der DB (Deutschen Bahn) führen durch den Kanton Schaffhausen und auch auf Schweizer Boden steht der DB-Bahnhof «Neuhausen Bad BF». Kein Wunder, wünschte er sich als kleiner Bub eine Märklin-Eisenbahn, die er dann auch geschenkt bekam und auf dem Estrich des Bauernhauses mit seinem Neffen aufbaute. Seine allererste Modellbahn hatte noch die Spur H0 im Massstab 1:87. In einem Modellbau-Laden kaufte er später als junger Mann eine Krokodil-Lokomotive Spur1 im Massstab 1:32. «Ich stellte dann fest, dass ich lieber mit dem grösseren Massstab der Spur1 Strecken baue als mit der winzigen Spur H0, wo man die Pinzette braucht», bemerkt Hablützel. Weil sich das Obergeschoss seiner Mosterei nicht als Lager bewährte, baute er darin ab dem Jahr 2000 den Bahnhof Neuhausen Bad BF im Modell 1:32 nach. Für seine Krokodil-Lokomotive baute er Güterwagen und ein erstes Schienennetz.
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Modelle von Bahnhöfen, Schlössern und Städten
Ein Viertel-Jahrhundert später steht der inzwischen für seine riesige Modellbahn weitherum bekannte Kurt Hablützel Modellbahn-Bauer inmitten seiner rund 30 Züge und stellt fest: «So wie die Anlage heute steht, ergab es sich im Verlaufe der letzten 25 Jahre.» Hablützel fasziniert der mögliche Detail-Reichtum am Modellbahnbau. Mit der genormten Grösse Spur1 könne er selber Bahnhöfe, Städte und Landschaften bauen. So hat er Im Massstab 1:32 den Bahnhof Schaffhausen sowie einen Teil der Altstadt Schaffhausen gebaut. Dazu kamen die Nachbauten vom Bahnhof Wilchingen-Hallau, vom Schloss Laufen am Rheinfall sowie vom Schloss Charlottenfels dazu. «Das wichtigste Gerät zum Modellbau ist meine Laser-Schneidemaschine», erklärt der begeisterte Modellbauer. Damit schneide er Karton, Plexiglas, Sperrholz und dünne MDF-Platten nach Plan auf einen Zehntels-Millimeter genau. «Das heisst aber auch, dass ich einen Viertel der Bauzeit am Computer verbringe, um Massstabgetreu zu zeichnen», erklärt er. Die Pläne holt er aus dem GIS (Geo-Informationssystem), aber manchmal müsse man auch vor Ort nachmessen. Weil seine riesige Modellbahn-Anlage unter Kennern bekannt ist, fahren unterdessen auch Züge von anderen Modellbauern als Leihgabe auf seinem Schienennetz. Seine Kollegen schätzten es eben «wenn ihre Züge auf meinem Schienennetz Auslauf haben», betont er mit Stolz.
Zuckerrüben und Rigibahn
Für das Modell des Bahnhofs Wilchingen-Hallau hat er die heute nicht mehr existierende die Zuckerrüben-Verlade-Anlage gebaut. Ausgemessen hat er sie, als sie noch am Bahnhof stand. Er baute selber die dazu gehörenden Waggons für die Rüben. Als Zuckerrüben verwendete Hablützel Popkornmais. Die Körner färbte er mit einer Mischung aus Farbe, Sand, Erde und Leim, bis aus dem Mais Rüben wurden. Aktuell integriert der Hobby-Modellbauer eine Dampf-Zahnradbahn, welche von Vitznau auf die Rigi führt, in die Anlage. Beim Start ertönte sogar die Original-Ansage der Rigibahnen, welche den Fahrgästen einen schönen Aufenthalt auf der Königin der Berge wünscht.
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Tag der offenen Modellbahn
Kurt Hablützel hat Geld und Arbeit in seine einmalige Modellbahn gesteckt. «Solange ich Freude daran habe, hat es für mich einen Wert, viel mehr emotional als finanziell», zieht er Bilanz. Aber er teilt auch seine Freude: Rund ein Dutzend Mal pro Jahr führt er Besuchergruppen seine Anlage vor und jährlich macht er Tage der offenen Tür, das nächste Mal vom 11. und 12. Juli 2026. Reich werde er damit nicht, aber «das gibt etwas in mein Modellbahn-Kässeli», resümiert er.