Jahr für Jahr zur Adventszeit zieht ein rundum beleuchtetes Bauernhaus in Röthenbach, im Emmental BE, unzählige Blicke auf sich und Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz an. Begonnen hat alles mit einer kleinen Lichterkette an einem Fenster. Daraus wurde immer mehr. Verantwortlich für das begehrte Fotosujet sind Roger und Martina Bürki, die Besitzer des Bauernhauses. Sie wurden gar von der Fernsehsendung «Ding Dong» des Schweizer Fernsehens besucht.

Glücksgefühle durch das Licht

Der Hausherr kommt regelrecht ins Schwärmen, als er am Telefon vom Haus erzählt. «Warmes Licht gibt mir einfach ein gutes Gefühl. Diese Art von Licht ergibt eine schöne Stimmung und löst bei mir glückliche Gefühle aus!», erzählt er begeistert. Die schätzungsweise 20 000 LED-Lämpchen geben so viel Licht, dass drinnen keine zusätzliche Beleuchtung nötig ist. Auch die wenigen Nachbarn schätzen das Licht, das die Dunkelheit der Umgebung bricht. Das Paar wohnt zwar relativ zentral, aber dennoch etwas abseits auf einem Hügel, auf dem es nachts stockfinster ist. Keine Strassenlampe bringt da Licht ins Dunkel. Rundherum gibt es lediglich weitere zehn Häuser.

Eine ganze Woche Planung ist nötig

Ähnlich, aber dennoch nicht jedes Jahr gleich, sieht das Haus zur Adventszeit aus. «Wir versuchen, das Bild jedes Jahr etwas anders zu gestalten», erzählt Roger Bürki. Das Ergebnis erfülle ihn und seine Frau mit Freude und Stolz. Die genaue und intensive Planung im Oktober dauert jeweils etwa eine Woche. Doch Ideen hat Roger Bürki meist schon vorher im Kopf und erstellt dann entsprechende Fotomontagen. Für den Aufbau braucht das Paar jeweils zwei volle Tage. Je nach Wetterlage findet dieser zwischen Mitte bis Ende November statt. Rund 350 bis 400 Meter Lichterketten mit der Norm IP 65, also wassergeschützt, sind heuer montiert worden. Vier Zeitschaltuhren regeln die Beleuchtungszeit.

Kein Geld ersetzt die Freude

Roger Bürki wuchs im Nachbarhaus als Bauernsohn auf. «Wir hatten nicht viel», erinnert er sich an die Kindheit zurück. Bei einem seltenen Besuch zur Adventszeit in der Stadt Bern faszinierten ihn die Lichterketten. «Da müssen reiche Leute leben», dachte sich der Junge damals. Reich ist Roger Bürki trotz der vielen Lichterketten, die er nun selbst besitzt, auch heute nicht. Doch er führe ein gutes Leben, sagt er. Nun könnte man annehmen, dass das Paar die nationale Berühmtheit seines Hauses nutzen und sich den Aufwand von den Besuchenden entschädigen lassen könnte. Doch dem ist ganz und gar nicht so. Auch wenn das Haus bereits einige Kalender geziert hat, hat Roger Bürki noch nie ein Bild verkauft. «Und das bleibt auch so. Ich habe Freude, wenn es den Leuten gefällt. Das reicht mir. Ich will kein Kässeli aufstellen», betont er bestimmt. Denn diese Freude sei mit keinem Geld der Welt zu ersetzen. Und so sei er auch niemandem etwas schuldig.

Heuer werden Spenden für Kinder in Not gesammelt

Eine Ausnahme macht er heuer und sammelt Spenden. Doch dieses Geld fliesst nicht in sein Portemonnaie. Roger und Martina Bürki machen bei der Sammelaktion «Gib es Härz - Gemeinsam für Kinder in Krisen» (www.action.swiss-solidarity.ch) mit. Zur Solidaritätsaktion aufgerufen haben das Schweizer Fernsehen (SRF) mit der Fernsehendung «Happy Day», Radio SRF 3 und die Glückskette gemeinsam. An drei Samstagen im Dezember, letztmals am 20. Dezember gibt es bei Bürkis Punch, Glühwein, Grittibänze und Weihnachtsgebäck. Die Besuchenden können mittels CR-Code, der vom SRF zur Verfügung gestellt wurde, einen Betrag nach Wahl einzahlen. Der volle Betrag kommt der Sammelaktion zugute. 

Als das Licht am Weihnachtsabend ausfiel

Das alles tönt nach Harmonie und Idylle. Doch nicht allen gefällt, was Roger und Martina Bürki jedes Jahr auf die Beine stellen. Thema ist der Stromverbrauch der Installation: 900 Watt pro Stunde. Vor drei Jahren mussten Bürkis Beleidigungen von Fremden ertragen. «Das hat weh getan», gibt Roger Bürki unumwunden zu. Denn bis dahin gelangten nur gute Rückmeldungen bis zu ihm. Am Weihnachtsabend fiel dann die komplette Beleuchtung aus. «Ich möchte gerne glauben, dass keine Menschen dafür verantwortlich waren, sondern Tiere an den Kabeln genagt haben», erzählt Roger Bürki. Doch dafür hätten die Kabel zu glatte Schnitte aufgewiesen. Für ihn war damals klar: «Das wars, wir hören auf.» Doch das Umfeld und besonders seine Frau haben ihn ermuntert weiterzumachen. Und seitdem erstrahlt das Haus noch viel mehr, als je zuvor.

Der Strom wird selbst produziert

Vor zwei Jahren hat das Paar in eine Photovoltaikanlage investiert, die 13 Kilowatt Spitzenleistung bietet. Vor einem Jahr folgte der Einbau einer Batterie im Keller, die den Strom tagsüber speichert und abends für die Beleuchtung wieder abgibt.

Fremde Nasen am Fenster sind die Ausnahme

Doch wie lebt es sich in einem Haus, das viele Schaulustige anzieht? Roger Bürki erzählt, dass die meisten die Privatsphäre respektieren und das Haus mit Abstand betrachten würden. Dass Personen ihre Nase an die Fensterscheiben drücken, sei die Ausnahme. Bürkis stellen keinen Glühweinstand auf und zeigen sich den Besuchenden auch nur, wenn es ihnen danach ist. Daraus hätten sich aber schon ganz tolle Begegnungen mit wildfremden Menschen ergeben.