Über 1000 Landwirtschaftsbetriebe bieten auch soziale Dienstleistungen an. Sie sollen nun schweizweit besser unterstützt werden. «Der Bedarf an Green Care ist da», sagt Alois Huber, Co-Präsident des Dachverbandes Green Care Schweiz, Aargauer Nationalrat und Vizepräsident des Schweizerischen Bauernverbands (SBV). Vor allem in der Westschweiz seien Plätze für Kinder sehr gesucht und gesamtschweizerisch wisse man, dass die Kosten für das Sozialwesen massiv steigen. «Aber das Green Care ist noch zu wenig bekannt und die Regelungen nicht in allen Kantonen gleich klar. Daher brauchen wir Unterstützung vom Bund.»
Erweitern und unterstützen
Zusammen mit dem Green-Care-Co-Präsidenten Raphaël Mahaim – er sitzt für den Kanton Waadt im Nationalrat – hat er am vergangenen Freitag im Parlament ein Postulat zu Green-Care-Arbeit im ländlichen Raum eingereicht. Darin wird der Bundesrat beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie Green Care in der Schweizer Landwirtschaft erweitert und durch eine nationale Strategie unterstützt und gefördert werden kann. Ziel des Berichts soll es sein, geeignete Massnahmen aufzuzeigen, die zur Erreichung der folgenden Ziele beitragen:
- Wie Angebot und Nachfrage effizient zusammengeführt werden können, um die Sichtbarkeit von Green-Care-Angeboten zu verbessern.
- Einrichtung einer zentralen Beratungsstelle, die Green-Care-Anbietende und -Nachfragende unterstützt und vernetzt.
- Förderung der Anerkennung und Integration von Green-Care-Leistungen in bestehende sozial- und gesundheitspolitische Strukturen, um ihre langfristige Verankerung im Betreuungssystem sicherzustellen.
- Anerkennungsmöglichkeiten der Angebote zur sozialen Integration sowie Beschäftigungs- und Arbeitsintegrationsmassnahmen von IV, AHV, Unfallversicherung und Krankenkassen und deren Ergänzungsleistungen anerkannt werden.
- Entwicklung zusätzlicher und auf das Thema abgestimmter schweizweiter Ausbildungsgänge in allen Landessprachen.
- Gewährleistung von Finanzierung der Betreuungsleistungen in der Landwirtschaft und Sicherung fairer Entschädigungen.
- Anerkennung von GC-Leistungen durch die Sozialversicherungen bzw. Aufbau alternativer Finanzierungsmöglichkeiten.
«Nicht jeder Hof ist für Green Care geeignet», weiss Alois Huber, der selbst einen Landwirtschaftsbetrieb führt. «Doch wenn die Anforderungen und auch die Abgeltung klarer geregelt sind, kann dies für manchen Hof eine Ergänzung des Angebotes sein. Es wäre eine Win-win-Situation für alle Seiten.»
Der Dachverband Green Care Schweiz ist am Wachsen. «Wir haben die letzten zwölf Monate viel strategisch gearbeitet», sagte Geschäftsführerin Simone Hunziker an der dritten Delegiertenversammlung des Verbandes Green Care Schweiz diesen Frühsommer in Bern. Nun seien alle Grundlagendokumente bereit. Der Verband strebt schweizweit einheitliche Standards an, etwa bei den Qualitätsanforderungen, bei den Bewilligungen, der Bildung oder der Finanzierung.
Zertifizierung ab 2026
Der Verband hat zudem die Kriterien festgelegt, gemäss denen sich Green-Care-Anbieter ab 2026 zertifizieren können. «Es geht dabei darum, sichtbar zu machen, dass die Betriebe kontrolliert werden», erklärt Simone Hunziker dazu.
Diese Qualitätszertifizierung wird zweistufig sein. Die maximale Dauer zur Erfüllung der Qualitätsrichtlinien beträgt jeweils zwei Jahre bis zur Anmeldung für die nächste Stufe und drei Jahre bis zum Abschluss der nächsten Stufe. «Wir streben an, dass man die Zertifizierung am Anfang zu einem recht günstigen Preis anbieten kann, da wir teils Unterstützungsbeiträge nutzen können», so Simone Hunziker weiter. Wir gehen zudem davon aus, dass wir teils Unterstützungsbeiträge nutzen können. «Ganz gratis wird es aber nicht sein.» Simone Hunziker schätzt, dass die Zertifizierung in der Anfangsphase die Landwirtschaftsbetriebe rund 1000 Franken kosten wird. Green Care Schweiz rechnet im ersten Jahr mit zehn bis zwanzig Betrieben, die sich zertifizieren lassen möchten.