Die Milchmarktkrise wirkt sich auf die Viehmärkte aus. Während Schlachtkühe noch gut nachgefragt sind, leiden die Nutzviehpreise. Die Marktexperten Ernst Wandfluh und Urs Jaquemet ordnen die Lage ein.

842 Kühe für die nächste Woche angemeldet

Abo Wenig Anlass zur Hoffnung Die Lage auf dem Milchmarkt: Überproduktion hält an – noch ist keine Entspannung in Sicht Tuesday, 27. January 2026 Ernst Wandfluh, Nationalrat und Präsident der IG Öffentliche Märkte, meldet sich aus dem Bundeshaus: In der Woche 4 galten A-Kühe im Durchschnitt bei 2942 Franken und wurden rund 266 Franken übersteigert. H-Kühe erzielten durchschnittlich 3877 Franken. «Die Schlachtkühe sind nach wie vor gefragt und werden teilweise deutlich übersteigert», stellt Wandfluh fest.

Für die kommende Woche 6 sind laut Proviande-Marktprogramm 842 Kühe angemeldet, insgesamt 1088 Rindvieh. Das seien rund 200 Kühe mehr als in anderen Jahren, aber verträglich. Der Markt könne das gut aufnehmen, so Wandfluh.

Einziges Problem: Die erhöhten Schweineschlachtungen – rund 8000 Tiere mehr pro Woche – führen zu Kapazitätsengpässen beim Ausbeinen und in den Zerlegereibetrieben. Wandfluh rechnet damit, dass sich diese Situation bis Februar wieder normalisiert.

Die Nutzviehpreise sind seit November tiefer

Anders sieht es auf dem Nutzviehmarkt aus. Urs Jaquemet von der Vianco stellt fest: Der turbulente Milchmarkt und die aktuellen Milchpreise erhöhen das Nutzviehangebot und schwächen die Nachfrage – was seit November zu tieferen Preisen führt. Die Blauzungenkrankheit habe die Situation verschärft. Viele Tiere, die letzten Sommer abkalben sollten, hätten wegen Blauzunge erst im Herbst und Anfang Winter gekalbt.

Die Preisentwicklung sei auch abhängig vom Schlachtkuhpreis. Dieser war bis jetzt eine Stütze. Wenn die Importpolitik weiterhin auf Stabilität ausgerichtet sei, sehe Jaquemet keine Probleme. Das Angebot und die Verfügbarkeit in den umliegenden Ländern, wo Schlachtkörper bezogen werden, seien nicht gross respektive gut.

Das Tränkerangebot ist stark rückläufig

«Das Problem müssen wir selber lösen» Bei der Drosselung der Milchmengen berücksichtigt Mittelland Milch auch die betriebliche Situation Wednesday, 28. January 2026 Urs Jaquemet rechnet damit, dass mit dem Weideaustreib die Nachfrage nach Kühen wieder steigt. Das Angebot an Tränkern sei aktuell stark rückläufig. Das könne bedeuten, dass die Milchbauern wirklich Tränker behalten und Milch vertränken – oder, was aus Jaquemets Sicht wahrscheinlicher ist, dass die Geburten stark rückläufig sind. Somit würde auch das Angebot an Frischmelkkühen abnehmen.

Es gebe keinen Grund, dass im Frühling-Sommer nicht wieder die Preise vom letzten Sommer erreicht werden. Jaquemets Empfehlung: «Einmal mehr müssen die Milchbauern auf die Saisonalität aufmerksam gemacht werden – wer kann, soll im Sommer abkalben.»