Derzeit befinden sich 3581 Lernende in Ausbildung für ein EFZ in einem landwirtschaftlichen Beruf, wie die Organisation der Arbeitswelt (OdA AgriAliForm) in einer Medienmitteilung schreibt. Das sind etwas weniger als im Vorjahr (3616). «Solange es nur ein leichter Rückgang ist, werden wir noch nicht nervös – leichte Schwankungen gehören dazu», sagt Petra Sieghart, Leiterin Bildung beim Schweizer Bauernverband (SBV) auf Anfrage. «Aber es ist uns bewusst, dass genügend Lernende kein Selbstläufer sind. Die Ausbildung und die Weiterbildungsmöglichkeiten müssen attraktiv sein – und wir brauchen Berufswerbung.» Die Berufsmessen spielten zwar immer noch eine Rolle, «aber wir sind je länger, je mehr auch in den sozialen Medien aktiv.» 91 % der Lernenden lassen sich zum Landwirt oder zur Landwirtin ausbilden, 5,3 % haben sich für einen der beiden Weinberufe entschieden, der Gemüsebau macht 2,4 % aus. Danach folgen die beiden anderen Spezialberufe in den Sparten Obstbau und Geflügel.

Zweitausbildung in der Landwirtschaft nimmt weiter zu

Insgesamt macht mehr als ein Drittel der Lernenden die Ausbildung als Zweitausbildung. Der Anteil Zweitausbildner steigt seit Jahren. Warum, weiss Petra Sieghart nicht, und sie mag auch nicht allzu sehr spekulieren. Man müsse aber unterscheiden: Einige wissen früh, dass sie einmal den Familienbetrieb übernehmen werden, nutzen die Zeit bis dahin aber für eine andere Erstausbildung und ein meist besseres Einkommen. Andere sind anfangs unsicher, ob sie den Hof überhaupt weiterführen wollen, entscheiden sich jedoch später dafür. Hinzu kommen Quereinsteiger ohne landwirtschaftlichen Hintergrund, die in der Landwirtschaft einen sinnstiftenden Beruf suchen. «Zweitausbildner sind für die Branche ein Gewinn. Wir brauchen sie – darum muss die Zweitausbildung attraktiv und gut machbar bleiben», sagt Sieghart. Umso wichtiger ist es laut der OdA AgriAliForm, dass die Ausbildung auch nach der Totalrevision der Grundbildung für Zweitausbildner weiterhin in zwei Jahren abgeschlossen werden kann. Für die LandwirtInnen EFZ und die Weinfachleute EFZ besteht danach die Möglichkeit, in einem weiteren Lehrjahr eine zweite Fachrichtung zu absolvieren.[IMG 2]

Mehr Frauen entscheiden sich für landwirtschaftliche Berufe

Den grössten Frauenanteil mit 40 % weist der Gemüsebau auf, gefolgt von den Winzerinnen mit 30 %. Bei den LandwirtInnen ist der Frauenanteil auf 25 % gestiegen (Vorjahr 23 %). Ein Grund für die zunehmende Anzahl Frauen in den landwirtschaftlichen Berufen sei sicher, dass die Berufe rein körperlich dank der Mechanisierung viel besser machbar sind für Frauen als früher. «Es wird langsam allen Beteiligten klar, dass Frauen diese Berufe genauso gut ausüben können wie Männer», sagt Petra Sieghart.

Grosse Lücke zwischen Landwirtinnen und Betriebsleiterinnen

Die Lücke zwischen 25 % Landwirtinnen in der Grundbildung und 7,7 % Betriebsleiterinnen ist allerdings immer noch sehr gross. Worauf führt sie das zurück? Vermutlich sei ein Grund, dass es für Frauen immer noch ein bisschen schwieriger ist, an einen Betrieb zur Übernahme heranzukommen. «Und vielleicht gehen auch etwas mehr den Weg über die HAFL – dort sind nämlich nach meiner Info etwa die Hälfte Frauen», meint sie dazu.

[IMG 3]

[IMG 4]

Bio-Ausbildung besonders im Gemüsebau gefragt

Der Anteil der Lernenden mit Schwerpunkt Bio liegt über das ganze Berufsfeld bei 9 %, wobei es ihn bei den WeintechnologInnen EFZ nicht gibt. Besonders gefragt ist der Schwerpunkt Bio im Gemüsebau, wo 52 % diesen absolvieren.

Attestausbildung EBA wächst deutlich

Zu den oben genannten Zahlen kommen 191 Lernende in der zweijährigen Attestausbildung zum Agropraktiker EBA dazu. Die Attestausbildung weist ein deutlich kleineres und damit volatileres Volumen auf. In den letzten drei Jahren sind die Zahlen wieder deutlich angestiegen, der Zuwachs beträgt 27 %. Dieser Ausbildungsweg ermöglicht schulisch Schwächeren einen qualifizierten Abschluss. EBA-Absolventen haben die Möglichkeit, ins 2. Lehrjahr der EFZ-Ausbildung einzusteigen.

Digitalisierung und Klimawandel prägen die landwirtschaftliche Ausbildung

Abo Mit voller Konzentration dabei: Praxisnähe soll auch in der revidierten Grundbildung zentral bleiben. Landwirtschaftliche Berufe «Es ist nicht das Ziel, einen Betrieb nur mit einem EFZ zu führen» Wednesday, 9. July 2025 Die Zukunft macht vor dem Berufsfeld Landwirtschaft nicht Halt: In den Ausbildungen seien auch Digitalisierung und Automatisierung zentrale Themen. «Klima, Tier- und Umweltschutz stellen stetig neue Herausforderungen dar», teilt die OdA weiter mit. Sie arbeitet deshalb zurzeit an einer Totalrevision der Grundbildung, die mit Lehrbeginn 2026/27 startet. Als neue Kompetenzen braucht es laut Petra Sieghart vor allem Flexibilität und die Fähigkeit, sich rasch auf neue Herausforderungen einstellen zu können. «Die Entwicklung ist heute so schnell, dass man sich laufend anpassen können muss, und ohne Weiterbildung geht es auch nicht.»

Gute Zukunftsaussichten und breite Weiterbildungsmöglichkeiten

Blumen für die Dame und den Herrn: ODA-Sekretärin Petra Sieghart mit der neuen Präsidentin Carine Théraulaz und Vorgänger Löic Bardet. Landwirtschaftliche Bildung Carine Théraulaz wird neue Präsidentin der ODA Agri Ali Form Friday, 31. October 2025 Die Zukunftsaussichten seien zudem sehr gut und die Weiterbildungsmöglichkeiten zahlreich. Auch für Lernende ohne familieneigenen Betrieb seien die Berufschancen als selbstständige oder angestellte Betriebs- oder Produktionsleiter gut, so die OdA. Mit der Lehre ist die Basis gelegt; im Agrarsektor stehen anschliessend viele Wege offen. Mit einer Weiterbildung und der Berufs- und Meisterprüfung oder auch einer höheren Fachschule mit den Abschlüssen Agro-Kauffrau, Agro-Techniker und Weinbautechnikerin lassen sich die Fachkenntnisse aus der Grundbildung mit betriebswirtschaftlichem Know-how und unternehmerischem Wissen ergänzen. Und schliesslich kann man auch mit einem Hochschulstudium der Agronomie an einer Fachhochschule oder an der ETH Zürich weitermachen.