Öffentlicher Druck wegen Rückständen von Pflanzenschutzmitteln (PSM), abnehmende Wirksamkeit noch verfügbarer Lösungen, schrumpfende Erträge durch zunehmende Extremwetterlagen, steigende Kosten – und bei all dem sollte die Landwirtschaft noch Lebensmittel für eine wachsende Weltbevölkerung produzieren. So umriss Alexandra Brand die aktuellen Herausforderungen. Die Chemikerin ist Nachhaltigkeitsverantwortliche bei Syngenta und eröffnete Mitte November 2025 in Stein AG einen Kongress zum Thema «Biologicals».

Vorteile von Biologicals besser erklären

Diese Produktkategorie ist ein Hoffnungsträger vieler, um die genannten Herausforderungen künftig meistern zu können. Alexandra Brand sieht sie als Ergänzung zu konventionellen Pflanzenschutzmitteln (PSM). Syngenta zählt zu Biologicals biologische PSM, Biostimulatoren zur Unterstützung bei abiotischem Stress und Produkte, die die Nährstoffeffizienz verbessern sollen. «Dieser Markt wächst in Europa viermal schneller als der Bereich konventioneller PSM», so Brand.

Bisher habe man sich primär auf biologische PSM und Biostimulatoren konzentriert, aber die Nährstoffeffizienz sei als Ziel im Kommen. «Die Vorteile müssen jedoch noch besser erklärt werden», bemerkte die Nachhaltigkeitsverantwortliche. Wie Syngenta Biologicals entwickelt und herstellt, was sie leisten können und an welchen Produkten gearbeitet wird, darüber informierte der Konzern an seinem Kongress.

Braunalge aus extremem Lebensraum als Hauptzutat

Als Zutat für Biostimulanzien setzt Syngenta z. B. Knotentang (Ascophyllum nodosum) ein.  Diese Braunalgenart wächst in Norwegen und wird mit schwimmenden Erntemaschinen in einem 4-Jahreszyklus geerntet. Der Knotentang sei an die rauen Bedingungen im kalten Meer angepasst und enthalte daher besonders viele förderliche Stoffe wie Mineralien oder Polyphenole in hoher Qualität. Nach der Extraktion dieser Substanzen folgt in der Produktentwicklung die Suche nach einer passenden Formulierung (flüssig, als Pulver oder Granulat), die sowohl die Wirkung sicherstellt als auch anwenderfreundlich ist.

Wie eine Sonnencrème vorher auftragen

Ein «Schlüsselpunkt» in der Beurteilung der erhofften Effekte auf Kulturpflanzen sei die Untersuchung der Genaktivität: Man analysiere, welche Stoffwechselwege in den Nutzpflanzen durch den Biostimulator gefördert werden. Wie das Auftragen einer Crème vor dem Sonnenbad soll das Produkt rechtzeitig seine Wirkung entfalten, damit die Pflanze beim Auftreten von abiotischem Stress gerüstet ist.

Zur Produktentwicklung gehören ebenso Messungen sichtbarer Wirkungen und Feldversuche, wurde in Stein AG erläutert. Ein Produkt dieser Arbeit ist McCream, das die Photosynthese bei hoher und tiefer Lichtintensität verbessern soll. Dies sorge im Obstbau für vitalere Bäume und eine hohe Fruchtqualität. Knotentang ist auch eine Zutat von Megafol, das für Acker- und Gemüsekulturen sowie Obst- und Rebbau empfohlen wird. Als Hauptwirkung wird eine aktivierte Stressabwehr und eine verstärkte Kälte-Toleranz genannt. Zusammen mit einem Herbizid ausgebracht, verbessere Megafol die Verträglichkeit des Unkrautmittels für die Kultur.

Ohne Einbussen mit weniger Dünger auskommen

Das derzeitige Flaggschiff in Sachen verbesserter Nährstoffeffizienz ist bei Syngenta NutriBioN. Es enthält Azotobacter salinestris, ein Bakterium, das Stickstoff aus der Luft fixiert. Es besiedle sowohl Blätter als auch Wurzeln von Nutzpflanzen und bilde auf den Wurzeln einen äusserlichen Film. «Die Menge fixierten Luftstickstoffs ist in der Praxis schwer zu messen», erklärten die Forschenden am Biologicals-Kongress. Aufschlussreich seien aber auch Versuche dazu, mit wie viel weniger Dünger ein Bestand ohne Einbussen zurechtkommt, wenn er mit NutriBioN unterstützt wird. Syngenta beziffert dieses Potenzial zur Ertragssicherung mit 30–40 kg N.

Vorteile von Stickstoff aus der Luft statt aus dem Sack

Ausserdem soll A. salinestris dazu beitragen, Nährstoffe zur richtigen Zeit verfügbar zu machen – auch wenn gerade keine Dünger zugeführt werden können oder dürfen. Im Vergleich zu energieaufwändig hergestelltem Mineraldünger schlage dank NutriBioN biologisch aus der Luft fixierter Stickstoff zudem mit einem massiv kleineren Fussabdruck zu Buche. Es bestehe ausserdem nicht die Gefahr, dass den Pflanzen zu viel N zur Verfügung gestellt werde und es zur Auswaschung käme. Zur Verbesserung der Nährstoffeffizienz will Syngenta nach eigenen Angaben künftig weitere Produkte auf den Markt bringen.

Mit Bakterien und Pilzen gegen Pathogene – auch in weiteren Kulturen

Ein grosser und schnell wachsender Bereich seien aber eben auch die biologischen PSM, basierend auf z. B. Mikroorganismen, Fettsäuren oder Pheromonen. Sie dienen der direkten Bekämpfung von Pathogenen. In der Schweiz vertreibt Syngenta Taegro, ein Fungizid gegen Echten Mehltau in Reben und Pilzkrankheiten im Erdbeer- und Gemüsebau. Das enthaltene Bakterium Bacillus amyloliquifaciens produziere pilzabtötende Substanzen, bilde zusätzlich durch einen Film auf der Blattoberfläche eine physikalische Barriere gegen Schadpilze und aktiviere die pflanzliche Abwehr. Geplant sei, für Taegro auch eine Zulassung für weitere Kulturen zu bekommen, z. B. Kartoffeln.

In der Pipeline stehe weiter ein Produkt mit einem Trichoderma-Pilz, der ebenfalls ein Fungizid produziert und als Saatgutbeizung dient. Es soll zusätzlich das Pflanzenwachstum verbessern und steckt laut Syngenta in der Schweiz noch im Zulassungsprozess für verschiedene Ackerkulturen. Der Fokus liege dabei auf Getreide und Mais. Weitere Arbeiten laufen zur Zulassung eines Pheromon-basierten Mittels gegen verschiedene Wicklerarten und Prohibird, einem Vogelrepellent mit Schwefel. Generell werde intensiv zu biologischen PSM für Ackerkulturen geforscht.

Mikroorganismen für Pflanzengesundheit und Krümelstabilität

Zu den Zielbereichen von Biologicals gehört die Förderung der Bodengesundheit. Schliesslich trägt sie entscheidend zu ebenfalls gesunden Beständen bei. In Brasilien komme Viva breit zum Einsatz. Es soll Mikroorganismen im Boden stimulieren und ist in der Schweiz derzeit nicht zugelassen. Zu den vielversprechendsten Bodenbewohnern, die sich mit Biologicals potenziell anregen liessen, zählen Arbuskuläre Mykorrhiza. Neben der Förderung von Wachstum und Gesundheit von Pflanzen produzieren diese Pilze einen Kleber, der Erdklümpchen zusammenhält und so die Krümelstabilität verbessere.

Syngenta forscht und entwickelt weiter, das war eine klare Botschaft des konzerneigenen Biologicals-Kongresses. «Wir lernen jeden Tag, jede Saison, jede Ernte – und wir sind noch lange nicht fertig», betonte Ward Clevers, Geschäftsführer von Syngenta Schweiz.