«Verlasst euch nicht auf die Etiketten von Pflanzenschutzmitteln», mahnte Mario Kurmann, Leiter Luzerner Pflanzenschutzdienst. Die Änderungen bei Pflanzenschutzmitteln (PSM) würden immer komplexer, immer mehr Mittel würden wegfallen, neue Wirkstoffe seien selten.
Dauernde Information ist zwingend
Er rief dazu auf, das betriebseigene Lager von PSM und die noch möglichen Anwendungen laufend zu überprüfen – und zwar bezüglich der Aufbrauchfristen, neuer Auflagen oder Notfallzulassungen. Es sei nicht nur für die Anwender(innen), sondern auch für die Beratung immer anspruchsvoller, noch den Überblick zu behalten. Bedauerlich sei, dass es schweizweit noch keine zentrale Datenbank mit allen nötigen Informationen zu Pflanzenschutzmitteln gebe, meinte Mario Kurmann. Er rief dazu auf, sich mittels der aktuellsten Broschüren laufend zu informieren und auch die Newsletter der Beratungsdienste für den Pflanzenschutz zu beachten.
Die Kontrollen werden verschärft
Die Kontrollen auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln würden laufend verschärft, betonte Mario Kurmann. So wurden im Kanton Luzern 2025 auf 58 Betrieben Stichproben genommen, unter anderem bei Getreide-, Kartoffel- und Maiskulturen. Diese waren bei den Programmen für Verzicht auf Herbizide oder Pflanzenschutzmittel angemeldet. Die Resultate seien wenig erfreulich gewesen:
Beanstandet werden mussten:
- 33 Prozent der Proben bei einjährigem Gemüse,
- 50 Prozent der Proben bei Kartoffeln mit Verzicht auf PSM
- und 64 Prozent der Proben bei Mais mit Verzicht auf Herbizide.
Mario Kurmann rief deshalb dazu auf, sich wieder von Programmen abzumelden, bevor PSM eingesetzt werden müssen. Und beim Wechsel von Kulturen seien die Spritzen zu reinigen, um Rückstände in Nachfolgekulturen zu vermeiden. Bei Bedarf sei eine Sonderbewilligung zu beantragen für die im ökologischen Leistungsnachweis verbotenen Wirkstoffe.
Solche Bewilligungen könnten auch online beantragt werden, ab diesem Jahr auch durch Lohnunternehmer für ihre Kunden, über die Plattform Agate/LawisFarm. Für die wenigen Grünland-Sonderbewilligungen bleibe es aber bei Anträgen per PDF-Formular. Mario Kurmann wies darauf hin, dass Kulturen auch von den Verzicht-Programmen abzumelden sind, wenn eine Sonderbewilligung beantragt werde.
Abdrift und Abschwemmung
Im laufenden Jahr und auch 2027 werde im Kanton Luzern bei den ÖLN-Kontrollen der Fokus auf Abdrift und Abschwemmung gelegt. Bezüglich Abdrift würden die Kontrollen risikobasiert erfolgen, und bezüglich Abschwemmung dieses Jahr im Rahmen einer Pilotphase auf einzelnen Betrieben. Für 2027 plane das Bundesamt für Landwirtschaft, die Abschwemmung als Fokus-Kontrollpunkt der Grundkontrolle zu definieren. «Befasst euch unbedingt mit diesen Themen, dazu gibt es viele aktuelle Merkblätter bei Agridea und Agripedia», schloss Mario Kurmann.

