«Die Schafzucht wurde mir in die Wiege gelegt», sagt André Meister, Präsident des Schweizer Zuchtverbandes des Braunköpfigen Fleischschafes (BFS). Aus einer nicht-bäuerlichen Familie stammend, hielt bereits sein Vater auf einem kleinen Umschwung Braunköpfige Fleischschafe. So wurde auch André Meister vom Virus der Zucht dieser Rasse angesteckt. Zwar probierte er verschiedene andere Rassen aus, doch das BFS gefällt ihm bis heute am besten. «Für mich ist es das schönste Schaf. Mir gefällt die Zweifarbigkeit und dass es eher ein grosses Schaf ist.» Zudem sei die Rasse sehr anpassungsfähig und angenehm im Umgang.
Heute führt der Meisterlandwirt den rund 50 ha grossen Gutsbetrieb Hinterbleichenberg im solothurnischen Zuchwil, der zum Kloster Ingenbohl SZ gehört. Neben dem Kernzuchtbetrieb mit 120 bis 140 Zuchtsauen bildet die Schafhaltung mit 30 bis 35 Mutterschafen für den Betriebsleiter einen guten Ausgleich. «Ich bin oft nach Feierabend noch bei den Schafen. Hier kann ich meine Seele baumeln lassen und meine Gedanken sammeln», sagt André Meister.
Sinkender Schafbestand in der Schweiz
Aktuell zählt der Zuchtverband des Braunköpfigen Fleischschafes laut André Meister rund 6500 Herdentiere. Wie der gesamte Schafbestand in der Schweiz ist auch jener des BFS rückläufig. Einen Hauptgrund dafür sieht Meister in der Überalterung der Züchterschaft. «Andererseits ist die Schafhaltung für die meisten ein Hobby. Die steigenden Vorschriften, die Grossraubtier-Problematik oder auch die Moderhinke-Sanierung haben zur Folge, dass manche aufgeben», erklärt er.
Trotz der Herausforderungen, die die Moderhinke-Sanierung mit sich bringt, ist Meister vom Programm überzeugt. Seine Herde sanierte er bereits vor rund sieben Jahren. Eingeschleppt habe er das Bakterium durch den Zukauf von Weidelämmern. «Weil ich für meine eigene Herde zu wenig Futter hatte, liess ich die Mutterschafe einige Wochen nach den Lämmern die Weide abgrasen», berichtet der Züchter.
Seither kaufe er nur noch Lämmer aus negativen Beständen und trenne diese strikt von seiner eigenen Herde. «Die Weidelämmer werden nicht im gleichen Anhänger transportiert, kommen nicht in meinen Stall und ich wechsle jeweils meine Schuhe», so Meister. Genauso wichtig sei die Hygiene bei der Sanierung. «Ein Fehler, der häufig gemacht wird, ist, dass die Tiere nach dem sauberen Klauenschnitt und dem Klauenbad wieder auf dem gleichen Weg zurück auf die Weide gebracht werden», erklärt er.
Zuchtböcke bleiben das grösste Einschlepprisiko
Wichtig sei zudem, die Schafe bis zur erfolgreichen Sanierung nach jedem Klauenbad auf eine frische Weide zu lassen. «Das ist aber nicht für alle Schafhalter machbar, was eine Sanierung erschwert», sagt Meister. In der Folge hätten einige die Schafhaltung ganz aufgegeben. Andere hätten ihre Herde verkauft und im Frühling neue Tiere aus sanierten Beständen zugekauft. «Jene Schafhalter, die vorgängig am meisten über die Sanierung geflucht haben, sind heute diejenigen, die sagen, man hätte schon vor 20 Jahren sanieren sollen. Denn mit den sanierten Herden nehmen die Behandlungen aufgrund von hinkenden Tieren stark ab», so Meister.
Für André Meister bleiben die Zuchtböcke nach wie vor das grösste Einschlepprisiko. Ein zugekaufter Bock komme bei ihm zuerst in Quarantäne. Soll er direkt zum Einsatz kommen, lasse er ihn zuvor testen. «Ansonsten mache ich es gleich wie bei der Sanierung und behandle ihn so lange im Klauenbad, bis ich mir sicher sein kann, dass er negativ ist», erklärt er.
Das Braunköpfige Fleischschaf im Portrait
Entstanden ist das heutige Braunköpfige Fleischschaf durch Einkreuzungen mit Oxfordschafen aus England und Deutschen Schwarzköpfigen Fleischschafen in das bereits im 19. Jahrhundert gezüchtete Grabserschaf. Auch heute noch werden diese ausländischen Rassen zur Veredelungskreuzung eingesetzt.
Einige Merkmale:
Aussehen: Das BFS ist ein grossrahmiges Schaf mit breiter Brust und starken Beinen. Die Wolle ist reinfarbig weiss. Ohren, Nase, Augen und Beine sind mit braunen bis schwarzbraunen Haaren bedeckt. Die Rasse ist hornlos.
Widerristhöhe Aue: 70 bis 85 cm
Widerristhöhe Widder: 80 bis 90 cm
Gewicht Aue: 80 bis 120 kg
Gewicht Widder: 110 bis 160 kg
Ablammung:
Die Ablammung ist saisonal, in der Regel einmaliges Ablammen pro Jahr zwischen Januar und Februar. Das Erstlammalter liegt bei ca. 14 Monaten.
Fruchtbarkeit: Die Fruchtbarkeit liegt durchschnittlich bei 1,7 Lämmern pro Muttertier und Jahr.
Zuchtziel:
- Widerstandskraft, Gesundheit, frei von Erbfehlern, gutes Anpassungsvermögen
- Langlebigkeit mit hohem Aufzuchtvermögen
- Durchschnittliche Produktionsdauer: 5 Jahre
- Fähigkeit hoher Raufutteraufnahme und -verwertung
- Qualitätslamm (milchzahnig) bis 42 kg LG bei der Schlachtreife, gute Fleischleistung (vollfleischig)
- gute Berggängigkeit
Lineare Beschreibung: Werden Ausstellungen an Bedeutung verlieren?
Neben der Moderhinke-Sanierung steht für die Züchter mit der Einführung der linearen Beschreibung bei allen Schafrassen eine weitere grössere Umstellung bevor. «Die meisten unserer Züchter kannten das System zuvor noch nicht», erklärt André Meister. Der Zusammenhalt innerhalb des Zuchtverbandes sei jedoch stark, und die Umstellung habe plausibel erklärt werden können. «Wir haben zudem versucht, unsere Mitglieder regelmässig zu informieren und sie so auf den Weg mitzunehmen», so der Präsident. Mittlerweile habe man bereits eine schöne Menge an Tieren ausgemessen und bei den drei Hauptrassen BFS, Weisses Alpenschaf und Schwarzbraunes Bergschaf die Messpunkte festgelegt. Ihren ersten Einsatz werden die ausgebildeten linearen Beschreiber diesen Herbst haben. «Jetzt werden noch mehr Daten gesammelt, und spätestens 2028 stellen wir vollständig auf die lineare Beschreibung um», erklärt Meister.
Mit der Einführung der linearen Beschreibung würden einige Züchter befürchten, dass die Ausstellungen an Bedeutung verlieren könnten. André Meister aber ist überzeugt, dass die Schauen an Wichtigkeit gewinnen werden. «Vielleicht geht man mit weniger Tieren an die Ausstellung, aber als Züchter muss man seine Tiere trotzdem noch präsentieren», bekräftigt der Präsident. Es handle sich ausserdem immer noch um einen Wettkampf und man habe schliesslich den Ehrgeiz, zu gewinnen.
«Die Expo ist wie eine grosse Familienzusammenkunft»
Ganz beim Alten werde es aber wahrscheinlich trotzdem nicht bleiben. «Aktuell haben wir viele Schauen mit 20 bis 50 Tieren von vier bis fünf Züchtern. In Zukunft wird es aus meiner Sicht zu einem Zusammenschluss dieser Schauen zu regionalen Schauen kommen. Damit kommen mehr Züchter auf einen Platz, was das Ganze auch spannender macht», erklärt André Meister. Zusätzlich wolle man so noch mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben und die Gestaltung der Ausstellungen überdenken. «Vielleicht könnten wir wie bei den Kühen eine Night-Show organisieren oder ein Speed-Scheren», so der passionierte Schafscherer. «Das würde die Ausstellungen auch für Öffentlichkeit interessanter machen.»
Vorher wird aber Mitte Oktober die BFS-Expo durchgeführt (siehe Kasten). Anders als bisher wird diese heuer zum ersten Mal in Thun BE, und nicht in Burgdorf BE ausgetragen. Die Vorfreude sei gross, so Meister. «Es ist wie eine grosse Familienzusammenkunft», erklärt er. Neben dem Wettkampf stünden für viele das Miteinander und der gemeinsame Austausch im Vordergrund. Bedenken über eine Verbreitung der Moderhinke hat der Präsident nicht. «Wichtig ist, dass die Tiere nach der Ausstellung zu Hause durchs Klauenbad gehen und nicht direkt wieder in die Herde kommen. So kann eine potenzielle Reinfektion verhindert werden», rät Meister abschliessend.
Die 5. Schweizermeisterschaft des Braunköpfigen Fleischschafes
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Schon bald ist es so weit: Am 18. und 19. Oktober findet die fünfte Schweizermeisterschaft des Schweizer Zuchtverbandes des Braunköpfigen Fleischschafes in der Thun Expo statt. Neben der Betriebskollektion A und B dürfen auch die jungen BFS-Züchter ihre Tiere am Jungzüchtercup präsentieren. Neben der Vorführung des Schafes gilt es für die Jahrgänge 2007 bis 2013, ausserdem ein Wissensquiz zu absolvieren. Mit einem attraktiven Unterhaltungsprogramm findet am Samstag ab 19 Uhr der Züchterabend statt. Das OK-Komitee freut sich auf eine schöne Veranstaltung und eine stattliche Besucherzahl.
Weitere Informationen zur Expo finden Sie hier.