Trotz Wind und Regen war der Andrang der Besucher gross, welche den Neubau besichtigen wollten. Grosse Wiesenparkflächen waren belegt, und auf den Zufahrtsstrassen wurden überall Autos abgestellt. Im Stall standen die Interessierten dicht gedrängt – auf dem Mittellaufgang, im Milchraum, an den Futterachsen, auf der Empore und sogar auf der Krantreppe. Franziska und Michael Gerber wurden von interessierten Menschen umringt, befragt und auch beglückwünscht. Der Neubau macht allgemein grossen Eindruck. Die blitzblank geputzten Tiere, Original-Simmentalerkühe, liessen sich vom allgemeinen Trubel und Gedränge nicht stören. Sie lagen oder standen, waren am Fressen oder am Wiederkäuen – und offensichtlich fühlten sie sich wohl. Die beiden Muni Fabian und Boss waren liegend am Wiederkäuen und beachteten die vielen Leute gar nicht. Michael Gerber bezeichnet die Stierenzucht als sein Hobby, aber die Muni werden auch gebraucht, weil alle Kühe im Natursprung besamt werden.
Eingebettet in eine schöne, mit Waldflächen eingerahmte Hügellandschaft und auf 930 m ü. M. liegt der Hof von Familie Gerber. Vom Bauernhaus hat man einen atemberaubenden Panoramablick auf die Stockhorn- und die Gantrischkette.
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Das Bauprojekt
Im Januar 2022 stellten Gerbers das Baugesuch. Weil der neue Stall in einer Landschaftsschutzzone steht, musste die Dachform nach einer Einsprache des Heimatschutzes von einem Pultdach zu einem Satteldach abgeändert werden. Jetzt, im Oktober 2025, ist der grossräumige, hohe und helle Anbindestall in Betrieb.
Weil Gerbers ihre Original-Simmentalerkühe nicht enthornen wollen, haben sie sich für den Anbindestall entschieden. Geplant wurde der Bau von Jürg Wenger aus Horboden. Bei der Planung wurde mit einem Mindestmilchpreis von 50 Rp./kg gerechnet. Der Neubau ist 40 Meter lang und 25 Meter breit (29 Meter im Bereich der Munistände und Kälberboxen). Unter dem Laufhof mit Spaltenboden liegt die Güllegrube mit 800 m³ Inhalt.
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Eigenleistungen
Michael Gerber ist stolz darauf, dass das Gebäude vollständig mit Holz aus dem eigenen Wald gebaut wurde. Mit einer mobilen Säge wurde die ganze Aufrichte vor Ort gesägt. «Das ganze Holz für den Bau hat den Betrieb gar nie verlassen», sagt Michael Gerber. «Wir bauten mit viel Eigenleistung; ich habe für die Bauzeit zwei Kollegen anstellen können und mit ihnen viele Stunden auf der Baustelle gemacht.» Auch die vier Kinder von Familie Gerber halfen beim Bau kräftig mit – im Betonboden des Laufhofes sind ihre vier Handabdrücke und Namen verewigt: Annina, Fabian, Mylena und Kilian.
Grosszügiger Bau
Im Gebäude ist viel Platz. Auf zwei, von einem breiten Laufgang getrennten, Lägern sind die fünfzig Milchkühe angebunden. Die Tiere liegen auf Stroh, und zur Sauberhaltung ist bei jeder Kuh ein individuell einstellbarer, starrer Stahlbügel montiert. Diese passiven Kuhtrainerbügel können beim Melken oder beim Anbinden der Tiere alle zusammen hochgeklappt werden. Gemolken wird mit fünf DeLaval-Rohrmelkaggregaten mit Selbstabnahmevorrichtung. Das Futter kann mit dem Hallenkran vom Futterlager auf die zwei Futterachsen verteilt werden. Der Palfinger-Kran hat eine Ausladung von 14,5 Metern. Die nach Süden offene Stallfront ist mit einem automatischen Windschutzrollo ausgerüstet. Auf dem Stalldach ist eine PV-Anlage mit einer Leistung von 75 kW installiert. Für die Kälber gibt es zwei grosse Tiefstreue-Abteile mit Auslauf. Daneben wurden zwei separate Muniplätze erstellt. Auf der einen Seite, im grossen Gebäude, stehen zwei Heuräume mit Belüftungen. Und daneben ist der Laufstall der Milchziegen.
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Gerbers halten Bündner Strahlenziegen und Saanengeissen. Die Ziegen sind im Sommer auf der Alp, und im Winter wird ihre Milch vertränkt. Z’Alp – genauer auf verschiedene Alpen – gehen auch die Hälfte der Milchkühe und das Jungvieh. Die Gusti werden im Winter im alten Gebäude eingestallt.
Abnehmerin der 280 000 kg Milch ist die Aaremilch AG. Heute bringen Gerbers die Milch noch zur Sammelstelle im Kreuzweg, die Hofabfuhr ist aber geplant.
Gerbers pflanzen rund 5 Hektaren Silomais und Futtergetreide an. Das Silomais wird in Ballen gelagert.