Dieses Jahr wurde hochverdauliche Silage eingefahren. Das ist einerseits erfreulich, hat aber auch seine Schattenseiten. Ist der Anteil an verdaulichen NDF in der Grassilage hoch, koten die Kühe in der Folge dünn und werden allenfalls träge. Dabei ist NDF das Mass für die pflanzlichen Zellwandbestandteile (Zellulose, Hemizellulose, Lignin) und entscheidend für die Strukturwirksamkeit und Verdaulichkeit des Futters.
«Darauf muss man in diesem Jahr während der Verfütterung der Silage wirklich ein Augenmerk legen», betont Thomas Brand, der Geschäftsführer der Schaumann AG, die unter anderem Siliermittel vertreibt. Eine nicht repräsentative Analyse mit Daten von rund 60 seiner Kunden zeigt, dass die Wertigkeit des Eiweisses der analysierten Grassilagen hoch und dadurch auch die Verdaulichkeit hoch ist.
Es wurde eher zu trocken einsiliert
Die Vegetation ist noch nicht eingestellt, gewisse Betriebe werden noch Schnitte machen, dennoch zieht Thomas Brand eine erste Bilanz: Die Trockensubstanz war in diesem Jahr eher hoch und übertraf den Zielwert von 28 bis 35 % in der Tendenz leicht. Im Bereich der Rohfaser lag der Durchschnitt der Analysen im Zielwertbereich von 23 bis 24 %. Der Rohproteingehalt lag mit 16 % im unteren Bereich des Zielwertes (16 bis 18 %). Der Energiegehalt der untersuchten Grassilagen lag im Optimum bei über 6,2 MJ NEL. Auch der NDF-Wert lag mit 45,8 % im Zielbereich von 42 bis 48 %.
Was tun für mehr Unverdaulichkeit?
Was kann man machen, wenn die Verdaulichkeit also zu hoch ist? Thomas Brand rät in seinem Referat im Rahmen des Futterkosten-Referats des Strickhofs, gegebenenfalls Futterstroh einzusetzen. Dabei ist es weniger wichtig, in welcher Form das Stroh (also Pellets, Spreu oder entstaubt oder unverändert) daherkommt. Viel wichtiger ist dessen einwandfreie Qualität. Dies unterstreicht der milchwirtschaftliche Berater Ernst Friedli, der live aus dem Milchviehstall des Strickhofs zugeschaltet ist. Er ruft in Erinnerung, dass das eingesetzte Stroh frei von Enterobacteriaceae sowie Hefe- und Schimmelpilzen sein muss. Die Gefahr einer Infektion via Zitzenkanal ist ansonsten zu gross, so der Experte.
Parameter, die eine ungewollte Kolonie von Bakterien im Stroh begünstigen, sind Feuchtigkeit, organische Rückstände, erhöhte Temperaturen und ein suboptimaler pH-Wert des Milieus. Ernst Friedli rät im Zweifelsfall, das Stroh vor dem Pressen oder der weiteren Verarbeitung zu kreiseln, um Restfeuchtigkeit herauszuschaffen. «Mit dem Einsatz von Futterstroh in der Ration können hochwertige Silagen ihre volle Wirkung entfalten», fasst Thomas Brand zusammen. Andere Optionen, um die Verdaulichkeit leicht herunterzusetzen, sind:
- Den ersten mit dem zweiten Schnitt kombinieren
- älteres Heu zufüttern
- Pansenpuffer, Luzerne, Weizenkleie, Biertreber, Faserkonzentrate einsetzen
Im Hinblick auf die aktuell produzierten Grassilagen im Herbst ruft Thomas Brand in Erinnerung: «Es ist mit hohen Rohprotein- und hohen Rohaschegehalten sowie tiefen Zuckerwerten zu rechnen.» Entsprechend rät er, genügend hoch zu mähen und Siliermittel der Liste A einzusetzen, welche eine Hemmwirkung gegen Klostridien aufweisen und die Milchsäuregärung fördern.
Kurze Feldliegezeiten anstreben
Zudem rät er, im Herbst möglichst kurze Feldliegezeiten anzustreben, das Futter wenig zu bearbeiten und schnell zu silieren, weil der Verlust durch die Zuckerveratmung ansonsten gross ist. Wer Überschuss-Kartoffeln einsilieren will, sollte diese auf jeden Fall waschen, um den Fremdbesatz zu minimieren.