Letzten Sommer war die Euphorie rund um das fressbare Ballennetz gross: Ein Neuseeländer stellte in der Maschinenhalle eines Berner Lohnunternehmens ein Ballennetz vor, das aus Jute-Fasern hergestellt ist. Das Interesse der technologieaffinen Schweizer Landwirte und Landwirtinnen war gross, die Halle in Oberbottigen BE füllte sich, inländische Vertreiber mischten sich unter die Produzenten, Bestellungen wurden aufgegeben, Würste gegrillt und mit Bier angestossen.
Nach Oberbottigen ging es weiter zur Königsfamilie
Grant Lightfoot, der neuseeländische Entwickler, Farmer und Profi-Tiefseetaucher, folgte nach seinem Vortrag am Fachabend der BauernZeitung in Bern einer Einladung der Königsfamilie in England. Dort schüttelte er Hände mit Prinz William und erschien im nationalen Fernsehen; so gross war das agronomische und mediale Interesse an dieser technologischen Entwicklung.
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Die Vision: Silo- und Heuballen werden nicht mehr mit Kunststoffnetzen gewickelt, sondern mit biologisch abbaubaren Jutefasernetzen, die in Indien hergestellt werden. Der Verzicht auf Kunststoff reduziere einerseits den CO₂‑Ausstoss pro Balle und vermindere den Arbeitsaufwand bei der Verfütterung, weil die Netze nicht mehr von Hand abgezogen werden müssten. Grant Lightfoot beteuert zudem, durch den Verzicht auf das nicht-abbaubare Kunststoffnetz weniger Komplikationen in der Tiergesundheit zu haben, da das Fressen der Jutefaser unproblematisch sei. Diese Mehrwerte kommen jedoch mit einem Preis: Der Preis für ein 500-Meter-Netz beläuft sich nach ersten Rechnungen auf das Dreifache im Vergleich zu einem herkömmlichen Nylonnetz mit einer Länge von 2,5 km. Hinzu kommt, dass der Anwender beim Pressen der Ballen mehr Arbeit hat, weil das Jutenballennetz eben nur 500 Meter statt 2,5 Kilometer wickeln kann.
Wo steht man ein knappes Jahr danach?
Ein knappes Jahr danach und vor der bevorstehenden Futterbau-Saison fragen wir beim Vertreiber Bruno Aemisegger nach, wie der Stand der Dinge ist. Gemäss seinen Angaben ist das Juteballennetz in der Schweiz bisher nicht im Einsatz. Die erhöhten Rohstoffpreise, der erschwerte Transport von Indien nach Europa sowie ein entfachter Zollstreit zwischen Indien und Pakistan verunmöglichten bisher den Import der Ware.
Die Qualität muss stimmen, sonst hat man es mit der Schweiz verspielt
Für ihn lässt sich das Interesse der hiesigen Bauern jedoch nicht wegdiskutieren, obwohl das Produkt nach ihm in der Nische bleiben wird. «Die technologie-offenen Bauern würden das Jutenballennetz nach wie vor gerne testen», so Bruno Aemisegger. Der Importeur aus Lutzenberg im Kanton Appenzell Ausserrhoden weiss aber auch, dass sich das Produkt für den professionellen Einsatz in der Schweiz bewähren muss, sonst habe man in der Schweiz für eine lange Zeit das Momentum verpasst: «Die Testrolle war super, aber bis ein solches Produkt wirklich in grösseren Mengen und in der geforderten Qualität produziert werden kann, dauert es noch.»
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«Bestellt sind die Netzrollen auf jeden Fall»
Der erste vereinbarte Liefertermin der Jutenballennetze von Indien in die Schweiz wäre auf den Sommer 2025 angesetzt gewesen, was aufgrund der mangelnden Qualität nicht wahrgenommen werden konnte. Die ersten Rollen wurden also gar nicht erst geliefert, weil die Produktion mit der Qualität nicht zufrieden war, wie Bruno Aemisegger zurückmeldet. Jetzt hofft er auf die nächste Saison. «Bestellt sind die Netzrollen auf jeden Fall», so der Fachmann.
Er ist gespannt auf den zukünftigen Einsatz in der Schweiz, will bis dahin aber geduldig sein und lieber länger warten, als ein mangelhaftes Produkt einzuführen. «Schlussendlich stehe ich mit meinem Namen hin», sagt er. «Es bringt nichts, wenn wir jetzt in einer Hauruckaktion Jutennetze importieren, die beim Test alle versagen. Wir wollen eine nachhaltige Lösung, dafür warten wir lieber noch ein Jahr», so seine Überlegung. Schlussendlich spare man auch keine Rohstoffe ein, wenn dafür beim Handling Futter verloren gehe, so sein Zwischenfazit.
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