«Wir rufen die Produzenten auf, diese Milch gar nicht abzugeben», heisst es im ZMP-Info. Denn die Massnahme sei sehr hart und es sei daher verständlich, dass die Mitglieder nicht Freude an diesem Entscheid hätten. «Wir haben viele Telefone und Medienanfragen erhalten», sagt ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer auf Anfrage.
Härtefälle vermeiden
Es brauche jetzt aber kurzfristig eine Reduktion der Milchmenge, und zwar in der ganzen Schweiz. Es helfe, wenn alle Produzenten die Menge um fünf Prozent reduzieren. Die Möglichkeiten seien vielfältig (siehe Kasten). Um Härtefälle zu vermeiden, würden die ZMP aber nur 10 Prozent der gelieferten Milchmenge pro Produzent zu 15 Rappen abrechnen. Ab 1. Februar gilt bei den ZMP ein Basispreis von 57 Rappen, für Milch ausserhalb der Monatsvertragsmenge sinkt der auf 33 Rappen.
Die ZMP zählen knapp 2800 Mitglieder, die 2024 knapp 510 Mio kg Milch produzierten. Furrer verweist auf die gerade im ZMP-Gebiet stark angestiegene Produktion in den letzten Wochen. 11,7 Prozent mehr Milch wurde im Dezember gegenüber dem Vorjahreswert eingeliefert. Auch die Biomilchproduktion lag im Dezember 9,8 Prozent über Vorjahr. Die Mehrproduktion sei in allen Landesteilen – und auch den umliegenden Ländern – etwa gleich hoch.
«Trotz grosser Bemühungen der Verarbeiter, die Kapazitäten zu erhöhen und trotz verschiedenen Aufrufen zur Reduktion der Milchproduktion bleiben die Mengen auf einem ausserordentlich hohen Niveau», heisst es im aktuellen ZMP-Info. Es sei keine Bremswirkung feststellbar, und die Kapazitäten würden nicht mehr ausreichen, um die hohen Frühlingsmengen zu verarbeiten. In den grossen Werken in der Zentralschweiz hätten die Mehrmengen in den letzten Wochen noch knapp verarbeitet werden können, auch dank Milchumplatzierungen, zusätzlichen Schichten oder Verschiebung von Wartungsarbeiten.
Milch in Biogasanlage
Allerdings würden sich nun die Lager füllen. In anderen Regionen der Schweiz musste Magermilch aber bereits in Biogasanlagen geführt werden, weiss Furrer.
Die Mengenbeschränkung sei deshalb unumgänglich, «es droht sonst ein Chaos und ein Milchpreiszerfall, wenn wir so weitermachen», schreibt Pirmin Furrer. Alle müssten nun einen Beitrag für die Stabilisierung des Milchmarktes leisten. «Wir erwarten, dass auch die Milchverarbeiter fünf Prozent mehr übernehmen und verarbeiten.» Und der Detailhandel soll wieder mehr einheimische Milchprodukte berücksichtigen. Zumal dieser immer betone, sich für die Schweizer Landwirtschaft einzusetzen. Zu überdenken sei auch der Käsefreihandel. Wegen der hohen Preisunterschiede und des starken Frankens seien die Spiesse nicht gleich lang. Daher sei die Forderung der Milchbranche für eine Erhöhung der Verkäsungszulage dringend.
«Milch wird wohl bald wieder gesucht sein.»
Stefan Morger, Fütterungsberater bei den ZMP.
Dass wegen der aktuellen Milchkrise mehr Bauern die Produktion aufgeben, glaubt Furrer nicht. Der Strukturwandel in der Milchwirtschaft sei über Jahre praktisch gleich hoch. Die Massnahmen zur Minderproduktion seien nur kurzfristig. Mittel- und langfristig seien die Perspektiven für die Produzenten wieder positiv, sind sich Branchenkenner einig. Milch könnte schon bald wieder gesucht sein, meint auch ZMP-Fütterungsberater Stefan Morger.
Keine Übermengen beim «Verein Schwyzer Milch»
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Von zu viel Milch könne in seiner Region nicht unbedingt die Rede sein, erklärt Paul Marty aus Arth. «Unsere Bauern haben im Jahr 2025 sogar weniger gemolken als im Vorjahr», so der Präsident des Vereins Schwyzer Milch. Diese Vereinigung entstand Anfang 2023 aus der aufgelösten PMO Schwyzer Milch, nachdem das Schwyzer Milchhuus durch die ELSA übernommen wurde. Die 200 Bauern des Vereins produzieren jährlich rund 22 Millionen Kilo.
Auch im Jahr 2026 versuchten die Bauern, ihre Menge im Griff zu haben: «Nachdem die BOM im Herbst darauf hinwies, dass die schweizweit steigende Milchmenge mittels geeigneter Massnahmen eingeschränkt werden sollte, beschlossen wir zusammen mit unserem Abnehmer ELSA, die geplante Liefermenge im Jahr 2026 auf 98 Prozent des Jahres 2025 festzulegen», so der Milchbauer aus Arth weiter.
Die Milchmenge sei im Dezember und auch im Januar nun zwar auch leicht höher. «Unsere Ställe waren aber schon in der Vergangenheit voll und das Grundfutter ist heuer nicht viel anders als im Vorjahr, entsprechend geben die Kühe aktuell auch nicht übermässig mehr Milch». Im Gegensatz zu Grossbetrieben im Mittelland könnten die Schwyzer Betriebe dank den kleineren Strukturen auch in weniger guten Jahren wie 2024 eine ansprechende Grundfutterqualität erreichen.
Zukünftig besteht gemäss Paul Marty eher die Gefahr, dass die Milchmenge zurückgehe. «Die vom Markt und der Politik geforderten immer restriktiveren Fütterungsvorschriften und die geplanten strengeren Deklarationspflichten werden die Milchmenge in unserer Region weiter reduzieren.» Das sei eine unschöne Entwicklung, denn wenn das so weitergehe, werde das Grasland Schweiz bei der Milch noch zu einem Nettoimporteur. Schon heute werde mehr Käse importiert als exportiert. «Und dass es aktuell trotz Milchschwemme immer noch möglich ist, Milchpulver in die Schweiz einzuführen, ist unverständlich und nicht nachvollziehbar», so Paul Marty.
Zu viel Kraftfutter
Mehr Kälber mästen, Kühe früher ausmerzen. Diese Massnahmen werden den Bauern vorgeschlagen, damit sie kurzfristig weniger Milch abliefern. Ist auch eine Anpassung der Fütterung möglich, damit die Leistung sinkt? Das sei heikel und müsse betriebsindividuell angeschaut werden, sagt Stefan Morger, Fütterungsberater bei den ZMP. Bei der heutigen Genetik könne das zu Retourkutschen führen bei der Fruchtbarkeit, Gesundheit und somit höheren Tierarztkosten, wenn Kühe weniger oder gehaltärmeres Futter bekommen, vor allem in den ersten 100 Tagen der Laktation. Er macht aber die Erfahrung, dass auf vielen Betrieben zu viel Kraftfutter eingesetzt wird und zu wenig auf eine wirtschaftliche Fütterung Wert gelegt werde. «Kühe sind keine Schweine», sagt Morger, und Kraftfutter sollte nur ganz gezielt und ergänzend eingesetzt werden. Gerade in diesen Tagen habe er eine Rückmeldung eines Landwirts erhalten, welcher die Fütterungsberatung nutzte: 20 000 Franken tiefere Kosten habe der letztes Jahr gehabt, bei gleich hoher Milchleistung.
Morger stellt fest, dass viel Kraftfutter eingesetzt werde, um die Milchgehalte zu verbessern und vielleicht im «Zuchtblättli» höhere Werte lesen zu können. Dabei sei dies oft gar nicht wirtschaftlich, zumal die paar mehr Rappen bei der Gehaltsbezahlung die höheren Futterkosten nicht zu decken vermögen. «Dünne Milch ist wirtschaftlicher und besser bezahlt als gehaltvolle.»
