Die Schweizer Landwirte verdienten 2024 mehr – und sie arbeiteten im Durchschnitt etwas weniger. Dies geht aus den Zahlen hervor, welche Agroscope im Rahmen der 48. Agrarökonomietagung in Tänikon TG präsentierte.
Im Schnitt stieg das landwirtschaftliche Einkommen im Jahr 2024 um 2,6 % auf durchschnittlich 81 700 Franken. Der Arbeitsverdienst pro Arbeitskraft erhöhte sich im Mittel um 8 % auf 59 100 Franken.
Breite Datengrundlage für die Auswertung
Für die Datenerhebung identifizierte die Zentrale Auswertung von Buchhaltungsdaten der Agroscope unter den insgesamt 44 885 Schweizer Landwirtschaftsbetrieben 31 237 Vollerwerbsbetriebe. Davon wurden 6415 zufällig ausgewählt und per Brief sowie telefonisch kontaktiert. 2245 Betriebe lieferten plausible und auswertbare Daten für die Analyse. Hochgerechnet decken diese Daten 83 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche und 93 % des Nutztierbestands ab.
Einkommensunterschiede nach Regionen
Wie zu erwarten, variiert sowohl die Höhe des Einkommens als auch dessen Zuwachs je nach Region, in der ein Landwirtschaftsbetrieb liegt. 2024 betrug das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen in der Talregion 100 400 Franken (+0,7 %), in der Hügelregion 72 900 Franken (+2,7 %) und in der Bergregion 64 300 Franken (+6,4 %). Laut Daniel Hoop, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Agroscope, zeigten sich nach vier Jahren Stagnation wieder steigende Einkommen. Ein ähnliches Muster sei auch beim effektiven Arbeitsverdienst pro Arbeitskraft zu beobachten. Im Durchschnitt verdiente eine Arbeitskraft 2024 in der Talregion 75 300 Franken (+5 %), in der Hügelregion 52 900 Franken (+9 %) und in der Bergregion 44 100 Franken (+12.9 %).
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Familien leisten weniger, Angestellte mehr
«Die Daten zeigen eine Verschiebung beim Arbeitseinsatz», sagte Daniel Hoop. Konkret leisten Familienmitglieder weniger Arbeitsstunden, während der Einsatz von Angestellten in allen drei Regionen – Tal, Hügel und Berg – zunimmt.
Als Hauptgrund nennt Hoop den tieferen durchschnittlichen Arbeitseinsatz der Familien: Weniger Arbeitsstunden bei gleichbleibendem oder ähnlichem Ertrag führen zu höheren Löhnen. Zudem habe die Tierhaltung die schwachen Ernten im Pflanzenbau teilweise kompensiert. Als Beispiel erwähnte er die positive Lage am Schweinemarkt 2024: Ein Rückgang des Angebots um 3 % führte zu einem deutlichen Preisanstieg.
Trotz des vorsichtigen Optimismus, den diese Zahlen vermitteln, braucht es laut Hoop eine Einordnung im Vergleich zu den Löhnen im zweiten und dritten Sektor. In der Talregion verdienen Landwirte noch immer rund 17 %, in der Hügelregion 41 % und in der Bergregion 45 % weniger als der Durchschnitt der Vergleichslöhne in diesen Wirtschaftsbereichen.
Studie zur Nutzungsdauer von Milchkühen
Neben der Präsentation der Buchhaltungsergebnisse bot die Agrarökonomietagung auch Fachvorträge zur Betriebswirtschaft – zwei davon stiessen auf besonderes Interesse.
Christian Gazzarin, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Agroscope, untersuchte in einer am 14. August 2025 im Journal of Dairy Science veröffentlichten Studie die optimale Nutzungsdauer von Milchkühen und die wichtigsten ökonomischen Einflüsse darauf. Zusammen mit zwei Co-Autoren verglich er zwei Produktionssysteme, die sich in der Einzeltierleistung unterschieden, sonst aber weitgehend ähnlich waren. In der Gruppe mit tiefer Leistung («low») – sie umfasste 110 Betriebe – lag die Jahresleistung pro Kuh bei 6194 kg, in der Hochleistungsgruppe («high») mit 79 Betrieben bei 9338 kg.
Wie erwartet, unterschied sich die Nutzungsdauer: Bei der Gruppe «low» lag sie im Durchschnitt bei 3,6 Jahren, bei «high» bei 2,9 Jahren. Überraschend war für die Forschenden jedoch, dass diese Werte deutlich unter den theoretisch erwarteten Werten von fünf «low» beziehungsweise sechs Jahren für «high» lagen.
Um die Ursache zu klären, analysierten sie die Daten genauer und fanden heraus, dass viele Landwirte bei «störenden» Tieren rascher reagierten – sprich Problemkühe wanderten rascher in die Metzg. Dank tiefen Aufzuchtkosten, etwa bei Eigenaufzucht, und gleichzeitig hohen Schlachtpreisen war dieses Vorgehen ökonomisch sinnvoll. Bei gesunden, störungsfreien Kühen hingegen ermittelten die Autoren eine optimale Nutzungsdauer von neun Laktationen.
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Investitionen lohnen sich nicht in jedem Betrieb
Eine weitere Studie widmete sich der Frage, ob sich Investitionsentscheidungen von Landwirten rechnen. Petyo Bonev und Dierk Schmid untersuchten anhand von 450 Betrieben, ob sich die Anschaffung eines neuen Melksystems lohnt. Idealerweise sollte eine solche Investition das Einkommen und das Tierwohl verbessern, die Arbeitszeit reduzieren und dem Betriebsleiter mehr Zeit für die Familie verschaffen.
Die Ergebnisse fielen jedoch durchwachsen aus. Zwar erhöhte sich das Tierwohl im Durchschnitt – etwa durch höhere BTS-Beiträge und leicht sinkende Tierarztkosten – doch die Arbeitszeit nahm langfristig nicht ab. Nach einer kurzen Entlastungsphase führte die Investition im Gegenteil zu mehr Arbeit. Zunächst wirkt das paradox, doch Bonev erklärte, dass viele Landwirte wohl die gewonnene Zeit nutzten, um einer Nebentätigkeit nachzugehen oder auswärts zu arbeiten. Besonders ernüchternd: Das Ziel eines höheren Einkommens wurde im Durchschnitt selbst nach 15 Jahren nicht erreicht.
Je nach Betrieb zeigte sich jedoch ein deutlich unterschiedliches Bild. Bei Betrieben mit einem hohen Deckungsbeitrag zum Investitionszeitpunkt (über dem Median) rechnete sich die Anschaffung nach rund zehn Jahren. Betriebe mit tiefem Deckungsbeitrag (unter dem Median) erreichten dieses Ziel selbst nach 20 Jahren nicht.
Für einige Teilnehmende kam dieses Resultat nicht überraschend. «Ein schlechter Bauer wird nicht automatisch ein guter Bauer, nur weil er viel Geld investiert», fasste eine Teilnehmerin das Resultat zusammen.
Die Folien der Vorträge der 48. Agrarökonomietagung finden Sie hier
Einordnung durch den Bauernverband
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Die Ergebnisse zeigen mehr Einkommen und leicht weniger Arbeitszeit – auf den ersten Blick eine positive Entwicklung. Doch wie ist das zu bewerten? Die BauernZeitung hat bei Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbands, nachgefragt. Seine Antworten relativieren den Befund und zeigen, wo die Branche weiterhin Druck verspürt.
Die Einkommen steigen, die Arbeitszeit sinkt – das klingt nach einer guten Gesamtlage. Wie schätzen Sie das ein?
Martin Rufer: Die Einkommenssituation in der Landwirtschaft ist trotz leichter Verbesserung nach wie vor unbefriedigend. Die Einkommen in der Landwirtschaft liegen deutlich unter den Einkommen in den anderen Sektoren. Es braucht daher weitere substanzielle Verbesserungen. Umso unverständlicher ist es, dass der Bundesrat die Einkommen in der Landwirtschaft über das Entlastungsprogramm 2027 unter Druck setzen will. Hier zählen wir auf kluge Beschlüsse im Parlament.
Die Studie zeigt eine überraschend kurze Nutzungsdauer bei Milchkühen. Läuft hier etwas schief? Gibt es von Ihrer Seite Ansätze oder Empfehlungen, um die Nutzungsdauer zu erhöhen?
Die einzelnen Betriebe wissen am besten, welche Nutzungsdauer für die betriebsspezifische Situation optimal ist. Es geht dabei weitgehend auch um eine wirtschaftliche Optimierung. Gerad auch bei den guten Schlachtviehpreisen macht es Sinn, dass eine Kuh etwas früher geschlachtet wird, statt viel Geld für den Tierarzt auszugeben.
Bei den Melksystemen zeigt sich: Für manche Betriebe rechnet sich die Investition selbst nach 20 Jahren nicht. Was läuft hier falsch – und was müsste sich ändern?
Die Betriebe sind unterschiedlich aufgestellt. Dem ist bei Investitionen Rechnung zu tragen. Vor jeder Investition muss genau geprüft werden, ob diese wirtschaftlich sinnvoll sind. Die Betriebe müssen sich die Zeit für eine saubere Analyse nehmen. Bei Bedarf ist externe Unterstützung beizuziehen. Eine falsche Investition kann über viele Jahre schmerzen.
