«Am liebsten male ich Simmentaler, schöne, kräftige Kühe, immer mit Hörnern», sagt Urs Aebersold. Er mag die Ockertöne. Überhaupt sind Kühe die Lieblingsmotive des 36-Jährigen, der tagsüber als Ladenleiter den Landi-Laden Thierachern führt und nachts gerne den Pinsel schwingt. Oder abends, sobald die Kinder schlafen, oder in den Ferien: «Aber dann hat natürlich die Familie Vorrang.» Aebersold malt aber auch gerne einheimische Tiere, Steinböcke, Gämsen, Schwäne, Schwalben. Auch den einen oder anderen Bären findet man in seiner Sammlung.
Vom Tiere schnitzen zum Malen
Das Malen hat sich Urs, der heute in Wattenwil BE lebt, autodidaktisch beigebracht. Zur Kunst ist er über seinen Vater gekommen, der in jungen Jahren mit seinem Bruder einen Bauernhof führte und später als Mechaniker tätig war. «Als ich ein kleiner Knopf war, sind wir einmal im Jahr bis zweimal im Jahr in eine Alphütte in die Ferien gegangen. Dort hat er immer Kühe geschnitzt, aber auch andere Tiere, die ich heute male, vor allem einheimische, Steinböcke, Gämsen …» Daneben fertigten sie Bleistiftzeichnungen an. Der junge Urs fühlte sich auf gute Art herausgefordert, «ich habe versucht, besser als mein Vater zu sein.» Auch heute sei er noch leicht perfektionistisch veranlagt, räumt er ein.
Während der Jugendjahre verlagerte sich sein Interesse zunehmend auf den Fussballplatz, bis er den Sport wegen der Hüfte aufgeben musste. Auch seinen Erstberuf Landschaftsgärtner konnte er nicht mehr ausüben und hängte stattdessen eine Zweitlehre zum Detailhandelsfachmann an.
Die Freude über das Ergebnis bleibt in Erinnerung
Als er sich damals einen Holzöl-Farbkasten kaufte, war das keine grosse Entscheidung, eher ein spontaner Griff. «Eines Abends habe ich dann ein Bild gemalt.» Ob es am Ende eine Kuh war oder eine Landschaft, weiss er nicht mehr. Was er aber noch genau erinnert, ist das Gefühl der Freude über das Ergebnis.
Seit rund acht Jahren malt Urs Aebersold nun regelmässig. Fast alles hat er sich selbst beigebracht. Ein paar Stunden an der Migros-Klubschule reichten, um zu merken, dass ihm starre Vorgaben nicht liegen und er lieber im eigenen Rhythmus und allein lernt. Er analysiert seine Bilder: Welche Stellen leben? Welche noch nicht? Seine Lehrmeister findet er heute auf Social Media und auf YouTube – vor allem russische und amerikanische Künstler. Er studiert ihre Videos oder kauft sich auch mal ein Tutorial, in dem etwas Schritt für Schritt und von Grund auf erklärt wird.
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Wegen der Kinder auf Acryl umgestellt
Nachdem die Kinder zur Welt kamen – seine Tochter ist in der Grundschule, der Sohn kommt nächstes Jahr in den Kindergarten – waren die Ölfarben wegen des Lösungsmittelgeruchs in der Wohnung nicht mehr praktisch. Urs Aebersold stellte auf Acryl um.
Heute arbeitet er mit Pinsel und Spachtel, setzt gezielt Effekte, Schichten und Strukturen. Am liebsten malt er Porträts. Landschaften entstehen bei ihm seltener; zu viele Berge und Kulissen im Hintergrund findet er schnell kitschig. Deshalb hält er die Szenerie schlicht, damit das Wesentliche im Bild atmen kann. Er arbeitet nach Fotovorlagen. Viele Motive fotografiert er selbst – vor allem Kühe, die ihm auf Spaziergängen mit den Kindern begegnen oder bei einer Züglete durchs Dorf ziehen.
Bei Steinböcken oder Gämsen hingegen fehlt ihm schlicht die Zeit, «stundenlang in die Högger zu gehen». Also greift er auf Aufnahmen von Fotografen zurück, die ihm ins Auge springen. Meist bekommt er auf seine Anfrage eine positive Antwort. Viele freuen sich, wenn eines ihrer Bilder den Weg in ein Gemälde findet. Die Fotovorlagen überträgt er anschliessend mit einem Rastergitter auf die Leinwand. «Das Malen ist ein Hobby, mit dem ich aber etwas Geld verdienen kann.»
Landwirte sind gute Kunden bei Auftragsarbeiten
Ausstellungen gehören ebenso dazu, wie das Malen selbst. Im letzten Jahr gönnte er sich eine Pause vom Ausstellungsbetrieb – das braucht immer viel Organisation, Beschriftung, Onlinepräsenz, Logistik. Doch nun stehen drei Ausstellungen für das kommende Jahr fest, und damit auch ein leiser Druck: mehrere grosse Bilder müssen entstehen. Ein Druck, der Urs Aebersold allerdings eher beflügelt, denn ohne Ziel, sagt er, male er weniger.[IMG 3-4]
Der Kunstmarkt hat eigene Regeln. In renommierten Galerien geht oft die Hälfte des Verkaufspreises an die Galerie selbst. Also sucht Urs Aebersold eher Orte, an denen die Abgaben moderat bleiben: 10, 20 oder 30 Prozent sind für ihn akzeptabel. Manchmal verkauft er Bilder direkt über Social Media; über einen touristischen Kanal im Bündnerland finden seine Werke ebenfalls Käuferinnen und Käufer.
Und es gibt immer wieder Aufträge – meist von Landwirten, die zum Beispiel ihre Lieblingskühe porträtiert haben möchten. Solche Arbeiten liegen ihm und wären auch gefragt, und doch setzt er bewusst Grenzen. Zu viele Auftragsbilder würden seine eigene Kreativität einengen. «Die Leute wollen ihr Büsi, ihre Kuh oder ihr Pferd – das hatte ich auch schon als Motiv – dann auch erkennen, dann hat man einen gewissen Druck, sehr nahe an der Vorlage zu bleiben.»
«Kühe verkaufen sich besonders gut»
Auch bei den Preisen arbeitet er nicht nach fixem Raster. Ein gängiges Format – etwa 60 × 80 Zentimeter, die typische Porträtgrösse – liegt meist zwischen 800 und 1000 Franken, manchmal auch darüber. Eins ist aber klar: «Kühe verkaufen sich besonders gut.»