Die Wand ist voll geklebt mit Bauplänen. Hans Graf steht davor und sagt: «Das Projekt haben wir 2022 aufgegleist und es ist immer noch nicht bewilligt.» Sie hätten zig Vorbesprechungen bei Gemeinde und Kanton gemacht und das Projekt immer wieder angepasst – dann sei wiederum eine Änderung verlangt worden. Kürzlich war der St. Galler Regierungsratspräsident Beat Tinner vor Ort. «Ich hoffe, dass es jetzt endlich vorwärtsgeht», sagt Graf.

Übergabe erfolgt ausserfamiliär

Hans und Irene Graf bewirtschaften zwei Betriebe in Oberriet im St. Galler Rheintal: 

  • Die Feldhof Gemüse AG für die Aufbereitung und Verkauf
  • und die Feldhof Feldbau AG für den Anbau. 

Letztere betrifft das Bauprojekt, das auf Eis liegt. Hier sollen neue Lager- und Kühlräume, eine Maschinenhalle, ein Befüll- und Waschplatz und Aufenthaltsräume entstehen. Der Anbaubetrieb gehört der politischen Gemeinde Oberriet und ist seit 1999 an die Familie Graf verpachtet, zuvor waren sie zehn Jahre als Betriebsleiter-Ehepaar angestellt. 

«Die Nachfolge ist aufgegleist», sagt Hans Graf, der gerade 65 Jahre alt geworden ist.  Sein langjähriger Mitarbeiter Elias Rohner, Gemüsegärtnermeister, wird die Aktiengesellschaft übernehmen und in den Pachtvertrag inklusive Baurecht einsteigen. Bei der Feldhof Gemüse AG bleiben Graf und seine Frau vorerst Inhaber. Die Betriebsleitung übernimmt Peter Frei, ebenfalls ein langjähriger Angestellter.

Das Betriebsleiterpaar will sich auf Raten zurückziehen

Es ist ein Rückzug auf Raten, meint Hans Graf. Ziel sei, von 140 % auf 100 % zu reduzieren. Auch aus den Gremien zieht er sich zurück. So trat er an der diesjährigen Swisscofel-Generalversammlung aus dem Vorstand aus und als Präsident der Produktgruppe Kartoffel zurück. Graf hatte wesentlich dazu beigetragen, dass es zu einer Einigung zwischen Swisscofel und dem Verband der Gemüseproduzenten über die Verlängerung der effektiv bewirtschafteten Phase kam. 14 Gemüsesorten können seit Januar 2025 davon profitieren, dass der Zollschutz während ihrer Anbauphase verlängert wurde.

Es bleibt ihm noch ein weiteres Amt abzugeben, das Präsidium der IG Pro Kulturland und Hochwasserschutz am Alpenrhein (VPKH). Der Verein vertritt die Interessen der Landwirtschaft bei der Umsetzung des Hochwasserschutz-Projekts Rhesi. «Ich trete auf die GV 2026 zurück», sagt Graf. Dann wird ein neuer Präsident gewählt und Elias Rohner rückt in den Vorstand nach.

An den Aufgaben gewachsen

Der 65. Geburtstag lässt auch Raum für Erinnerungen. Auf die Frage, wie man es von einem durchschnittlichen Milchwirtschaftsbetrieb zu einem Gemüsebauunternehmen mit 400 ha und 80 Partnerbetrieben schafft, antwortet Hans Graf: «Mit Herzblut und Leidenschaft – und man wächst mit den Aufgaben.» Auch Durchbeissen gehöre dazu. «Die ersten Jahre waren hart», erzählt er. Damit meint er die Anfänge im Jahr 2000, als sie mit der Tierhaltung aufhörten und voll auf Gemüse setzten.

Aldi-Lieferant von der ersten Stunde an

«Dem Handel ist man ausgeliefert und wir sind zu wenig nahe an den Absatzmärkten», sagt Graf. Als Aldi 2005 die erste Filiale eröffnete, gehörte der Betrieb zu den ersten Lieferanten. Es habe Händler gegeben, die von einem Tag auf den andern ihre Bestellungen sistierten. «Aber langsam ging es aufwärts. Wir sind gewachsen und Aldi Suisse auch», sagt er. Und weiter: «Seit 20 Jahren arbeiten wir zusammen und haben ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis erarbeitet.» 

Preisverhandlungen seien immer hart. «Aber es sind nicht die Detailhändler, welche die wöchentlichen Preise machen, sondern wir Anbieter.» Es sei frustrierend, wenn Mitbewerber z.B. absichtlich oder unabsichtlich ab dem 1. November vergessen, den Lagerzuschlag zu offerieren. «Der Preisdruck steigt dann enorm», sagt Graf und rät seinen Mitbewerbern, nicht die Nerven zu verlieren, wenn sie offerieren.

Erntehelfer zu rekrutieren, wird immer schwieriger

Ja, im Gemüsebau braucht es gute Nerven. Nicht nur bei den Preisverhandlungen, sondern auch für die Wetterbedingungen. Hinzu komme «ein Berg an Administration» und die Mitarbeiterführung bzw. deren Rekrutierung. «Es wird immer schwieriger, Erntehelfer aus den östlichen EU-Staaten zu finden», sagt Hans Graf. Wirtschaftlich gehe es diesen Ländern besser, sodass immer weniger bereit seien, im Ausland als Erntehelfer(innen) zu arbeiten. Bereits würde man in Österreich Erntehelfer aus dem asiatischen Raum verpflichten, weiss Graf. «Die Branche muss sich auch darüber Gedanken machen», betont er.

Hans Graf sieht seiner Zukunft und jener seiner Betriebe optimistisch entgegen. «Wir haben eine Top-Infrastruktur und sind, was die Produktion anbelangt, in einer Vorzugslage.» Das Unternehmen werde sich auch in den nächsten Jahrzehnten gut entwickeln, ist er überzeugt.


«Facebook-Verkaufsaktionen sind gegenüber dem Handel nicht fair»

Sie sind 65 Jahre alt. Wie geht es jetzt weiter?

Wir stellten an unsere Kinder nie den Anspruch, dass sie den Betrieb einsteigen müssen. Sie lernten, was ihnen Freude bereitete. Alle drei haben ihre Bestimmung in einem anderen Sektor gefunden – und das ist gut so. Zwei langjährige Mitarbeiter werden übernehmen. Die Übergabe bringen wir bis Ende 2026 in trockene Tücher.[IMG 2]

Viele Betriebsleiter Ihrer Generation beklagen sich, dass die Einkäufer und Produktmanager heute keine Ahnung mehr von der Landwirtschaft haben. Stimmen Sie dem zu?

Wichtig ist, mit den Einkäufern und Produktmanagern so zu argumentieren, dass sie wirklich unsere Probleme verstehen und begreifen, wo uns der Schuh drückt. Umgekehrt müssen wir auch die Probleme der Abnehmer nachvollziehen. Wenn jeder auf seinem Standpunkt beharrt, wächst die Unzufriedenheit.

Wie betrifft der Preiskampf des Detailhandels mit den Tiefstpreisen Ihren Betrieb?

Auf der einen Seite ist es tragisch, dass man mit den Lebensmitteln so umgeht. Auf der anderen Seite spielt der Wettbewerb. Ich hätte es lieber nicht ganz so extrem.

Ärgern Sie sich über die Margen?

Ich kommentiere die Margen der Detailhändler nicht. Das habe ich nie gemacht, auch nicht als ich Vizepräsident des Gemüseproduzenten-Verbands war. Als Produzent muss ich meine Kosten im Griff haben, auch wenn das Einsparungspotenzial immer kleiner wird.

Was sagen Sie dazu, wenn Landwirte ihre Kartoffeln, die der Handel nicht übernommen hat, günstig über Facebook verkaufen?

Solche Aktionen gibt es jährlich – nicht nur bei Kartoffeln. Man muss als Produzent auch mal akzeptieren, dass eine Ernte in die Hosen geht. Im Gegensatz zu allen anderen Gemüsesorten gibt es bei den Kartoffeln immerhin Beiträge für die Verwertung von nicht marktfähiger Ware. Wenn man bedenkt, dass in den vergangenen mageren Kartoffeljahren die Abnehmer fast alles übernommen haben, finde ich solche Facebook-Verkaufsaktionen unfair.

Betriebsspiegel 

Irene und Hans Graf

Ort: Oberriet
LN: 28 ha, bewirtschaftete Fläche rund 400 ha
Kulturen: Feldgemüse
Anzahl Mitarbeiter: in Spitzenzeiten 150
Partnerbetriebe: 80