Seit fast zwei Jahren ist Robert Dreier Präsident des Solothurner Bauernverbandes (SOBV). Die BauernZeitung besuchte den Meisterlandwirt kurz vor Weihnachten bei sich zu Hause auf seinem Hof in Mariastein. Mindestens zweimal pro Woche fährt er jeweils nach Solothurn und trifft sich dort mit der Spitze des SOBV.
«Dank eines guten Teams, allen voran Geschäftsführer Edgar Kupper, sind wir gut aufgestellt, die Zusammenarbeit läuft hervorragend, und man nimmt mir auch viel Arbeit ab», sagt Dreier mit Bezug auf die Geschäftsstelle und den Vorstand der Solothurner Bauern. Etwas mehr Mühe habe er mit dem langen Anfahrtsweg. «Mindestens eine Autostunde muss ich dafür einberechnen.» Die Möglichkeit von Onlinesitzungen und der Austausch via Telefon oder Mail nutze man daher häufig.
Die Blauzungenkrankheit als Dämpfer
Der Betrieb von Robert Dreier stand bis 1990 im Besitz von Coop Basel und umfasst eine Fläche von 85 Hektaren. 600 Mastschweine, 25 Milchkühe und ein paar Mutterkühe stehen auf dem Hof. Dreier baut Zuckerrüben, Silomais, Urdinkel, Weizen und Gerste an. Das Jahr 2025 sei für die Solothurner Landwirtschaft ein gutes Jahr gewesen. «Das Wetter spielte meistens mit, die Preise waren zufriedenstellend», sagt Robert Dreier rückblickend. Nicht nur im Ackerbau, sondern auch in der Tierhaltung seien die Ergebnisse gut gewesen. «Wir hatten wieder einmal ein recht gutes Schweinejahr», bilanziert er.
Für den SOBV standen wiederum die Öffentlichkeitsarbeit und die Standesvertretung in verschiedensten Gremien im Vordergrund. «Nicht zu vergessen sind auch die landwirtschaftliche Berufsbildung und das Brückenangebot Startpunkt Wallierhof, bei dem sich der SOBV im Jahr 2025 erfolgreich gegen finanzielle Kürzungen seitens des Kantons einsetzte», so Dreier.
Ein Dämpfer sei sicher die Blauzungenkrankheit gewesen. Fast alle Solothurner Milchwirtschafts- und Schafbetriebe hätten mit ihr zu kämpfen gehabt. «Es hat wohl alle erwischt», bilanziert Dreier. Zusammen mit dem Veterinärdienst hätte der SOBV versucht, die Tierhalter immer auf dem Laufenden zu halten. «Die Tiere, die wegen der Blauzungenkrankheit umgestanden sind oder abgetan werden mussten, wurden zwar von der Tierseuchenkasse entschädigt», so der SOBV-Präsident. Doch die viele Mehrarbeit, die Ertragsausfälle, die hohen Tierarztkosten und den emotionalen Schaden mussten die Bäuerinnen und Bauern selbst tragen.
Die aktuelle Lage auf dem Milchmarkt macht Dreier zurzeit grosse Sorgen. «Keiner weiss so recht, wie es hier weitergeht», sagt er. Viele Betriebe würden auf die Milchwirtschaft setzen, hätten in den letzten Jahren stark investiert. «Von der Politik hören wir immer: ‹Ihr müsst die Produktion steigern und die Kosten senken› – und jetzt dieses Desaster.»
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Es braucht die Landwirtschaft
Im Kanton versuche man mit dem «Solothurner Chästag» auch die Stadtbevölkerung für die Landwirtschaft zu gewinnen. «Dank solcher Anlässe sensibilisieren wir die Konsumenten und können ihnen zeigen, wie und wo die Milch produziert wird. Wir können ihnen auch aufzeigen, was die Landwirtschaft alles leistet», so der Solothurner Bauernpräsident.
Mehr Geld im Portemonnaie der Bauern, das wünscht sich Robert Dreier. Die Wertschöpfung müsse auf den Betrieben bleiben, die Produzentenpreise steigen. «Es gibt gute Gründe, warum es die Landwirtschaft braucht. Ein Hauptgrund ist sicher die Versorgungssicherheit», sagt der Meisterlandwirt. Als weitere Gründe führt er die gesunde Ernährung, die Kulturlandpflege, die Biodiversität, die Berücksichtigung des Tierwohls und die dezentrale Besiedelung auf. Die AP 2030+ dürfe deshalb für die Bauernfamilien nicht zum Nachteil werden, sondern sie administrativ entlasten und die Produktion stärken.
Dreier fordert zudem, dass das landwirtschaftliche Haupteinkommen stärker über die Produktion und weniger über die Direktzahlungen generiert werden könne. «Mein Betrieb hier liegt nahe der Stadt Basel. Wir haben dadurch auch viel persönlichen Kontakt zu den Konsumenten», so Robert Dreier. Die Landwirtschaft werde von ihnen oft mit anderen Augen wahrgenommen, als sie ist. Aufklärungsarbeit gehöre daher zur Tagesordnung. «Tierwohl und gesunde Lebensmittel, das sind die zwei am häufigsten genannten Kriterien beim Verbraucher», so der Bauernpräsident. Bei den Gesprächen sei auch die Regionalität immer ein Thema. «Die Nähe zum Produzenten und die Nähe zur Regionalität, das sind weitere Verkaufsargumente», betont der Meisterlandwirt.
Obwohl der Kanton Solothurn immer noch ein starker Agrarkanton ist, geht auch hier der Strukturwandel weiter: Rund 1200 Landwirtschaftsbetriebe gebe es noch in ihrem Kanton: vom Gemüsebaubetrieb über den Berg- und Talbetrieb bis hin zu den Sömmerungsbetrieben im Jura. Der SOBV sei für alle da. «Nicht nur in politischen Fragen, sondern auch beratend hat die Geschäftsstelle für alle ein offenes Ohr und verfügt über die entsprechenden Kompetenzen und Erfahrungen», sagt Robert Dreier. Wichtig sei, dass sich die Leute bei ihnen melden müssen, damit das Bauernsekretariat unterstützen und beraten könne.
Mit einer Kampagne gegen die Vegi-Initiative
Was die Zukunft bringt, kann Robert Dreier schwer vorhersagen. Eines könne er aber bestätigen: Der Druck auf das Kulturland werde auch im Kanton Solothurn immer grösser. «Die Raumplanungsrevision II, bei der Neubauten in der Landwirtschaftszone noch restriktiver bewilligt werden, das ist auch für die Bauern eine Herausforderung», so der Präsident. Der SOBV fordert daher einen gesetzlich definierten Vorrang für landwirtschaftliche Bauten ausserhalb der Bauzone. Als Beispiel zieht Dreier die Region Gäu heran. «Die SBB, die Migros, die Post haben schon grosse Bauprojekte realisiert oder haben es noch vor», sagt Dreier. Für ihn sei es aber wichtig, dass sich nicht nur der Dienstleistungssektor, sondern auch die Landwirtschaft weiterentwickeln könne.
Die gezielte Weiterentwicklung der Landwirtschaft werde auch immer wieder durch extreme Initiativen gefährdet. Der SOBV werde daher die «Vegan-Zwang-Initiative», die wohl im September zur Abstimmung gelange, mit einer Kampagne bekämpfen. «Eine nachhaltige, tierische Produktion von Lebensmitteln hat im Kanton Solothurn aufgrund der Topografie einen hohen Stellenwert. Einen Angriff auf die Tierhaltung lassen wir auf keinen Fall zu», argumentiert der SOBV-Präsident.

