Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel (PSM) ist auf Kurs, was den Umwelt- und Gewässerschutz angeht. Aber Lücken im Schutz der Kulturen führten zu Unsicherheiten bei den Landwirt(innen). «Das spüren auch wir», sagte Christian Hofer. «Zum Teil sieht man Rückgänge im Anbau.» Der Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) stellte an einer Medienkonferenz den Lösungsansatz des Bundes vor: Die Strategie für einen nachhaltigen Schutz der Kulturen 2035.
«Notfallzulassungen können mittel- bis langfristig nicht die Lösung sein»
Der Entwurf dazu war im vergangenen Jahr in Vernehmlassung, nun steht die definitive Fassung. Sie sei in einem partizipativen Prozess «in enger Abstimmung mit der Landwirtschaft und den interessierten Kreisen» ausgearbeitet worden, so das BLW. Mit 10 Massnahmen und basierend auf der Pyramide des integrierten Pflanzenschutzes soll der Schutz der Kulturen unter Berücksichtigung des Aktionsplans PSM in Zukunft sichergestellt werden.
«Notfallzulassungen können Lücken schliessen», räumte Christian Hofer ein. «Aber mittel- bis langfristig kann das nicht die Lösung sein.» Als quantitatives Ziel nennt die Strategie eine Halbierung der Lückenindikationen bis 2035. In 10 Jahren soll es also nur noch halb so viele Schädlinge und Pathogene geben, gegen die im Pflanzenbau eine wirksame Schutzmöglichkeit fehlt.
Dabei liegt aber explizit der Fokus nicht nur auf chemischen Wirkstoffen. Der integrierte Pflanzenschutz beginnt bereits bei präventiven Massnahmen wie Sortenwahl, Saatbett oder Fruchtfolge, führt über Entscheidungshilfen wie Schadschwellen zur nicht-chemischen und erst als letztes Mittel zu chemischen Substanzen.
Mit den richtigen Rahmenbedingungen und spezifischen Massnahmen
«Der Pflanzenschutz soll nachhaltig verbessert werden», betonte Christian Hofer. Olivier Felix, Fachbereich nachhaltiger Pflanzenschutz beim BLW, erläuterte die 10 Massnahmen der Strategie. Sie lassen sich in drei Bereiche aufteilen:
Verbesserung der Rahmenbedingungen: Aufbau einer Monitoring-Plattform zum Stand der Schutzmöglichkeiten, um Lücken zu identifizieren und Prioritäten zu setzen. Ein neues Kompetenznetzwerk soll die Prioritäten in Absprache mit Branche und Forschung erarbeiten. In einem Demonstrationsnetzwerk will man innovative Methoden testen und die Erfahrungen mit der Praxis teilen. Zielvereinbarungen entlang der Wertschöpfungskette sollen sich ebenfalls positiv auf den Schutz der Kulturen auswirken, indem sie etwa den breiten Anbau robuster Sorten ermöglichen.
Stärkung des integrierten Pflanzenschutzes: Angestrebt sind massgeschneiderte Lösungswege für alle Kulturen, Standorte, Schadorganismen und -drücke sowie Umweltbedingungen.
Spezifische Massnahmen zum integrierten Pflanzenschutz: Ausbau robuster Sorten durch deren stärkere Berücksichtigung in Züchtung und Sortenprüfung. Zudem sollen konsumseitige Massnahmen den Absatz robuster Sorten verbessern. Zuverlässige und benutzerfreundliche Entscheidungshilfen sollen die Praxis beim Schutz der Kulturen unterstützen. Weiter ist der Ausbau der biologischen Schädlingsbekämpfung über die Prüfung natürlicher Gegenspieler vorgesehen. Im Rahmen der AP 30+ soll der Erwerb neuer Applikationstechniken gefördert werden. Der letzte Punkt in diesem Bereich ist eine Vereinfachung der PSM-Zulassung via der totalrevidierten PSM-Verordnung, die seit Dezember 2025 in Kraft ist. Zulassungsanträge, die bestehende Lücken betreffen, sollen prioritär behandelt werden.
Was aus der Liste weggefallen ist
Zwei Massnahmen aus dem Entwurf des BLW haben es nicht durch die Vernehmlassung geschafft. Die eine, «Das Potenzial neuer Technologien nutzen», sei bereits mit den anderen Massnahmen der Strategie abgedeckt, erklärte Olivier Felix. Der zweite, nun verworfene Vorschlag war eine Art Kontingent für Pflanzenschutzmittel auf Betriebsebene. «Das wäre schwer einzurichten gewesen und hätte nicht zur angestrebten administrativen Vereinfachung gepasst», so der Fachbereichsleiter.
Vollständige Umsetzung mit AP 30+
Ein Teil der nun beschlossenen Strategie ist bereits in Umsetzung, andere Massnahmen müssen noch entwickelt werden oder sie brauchen eine neue gesetzliche Grundlage. Laut BLW wird die biologische Schädlingsbekämpfung in diesem Jahr (2026) ausgebaut, dafür gibt es schon eine passende Verordnung. Die vollständige Umsetzung der Strategie für einen nachhaltigen Schutz der Kulturen soll mit der AP 30+ geschehen.
Schutz der Kulturen und Schutz der Umwelt
Gefragt nach der Balance zwischen Schutz der Kulturen und der Umwelt stellte Christian Hofer klar: «Das Ziel ist ein umfassendes Massnahmenset, aus dem die Landwirt(innen) ihre Betriebsstrategie aufbauen können.» Der Aktionsplan PSM werde berücksichtigt und nicht infrage gestellt, der Bedeutung des Pflanzenbaus für Ernährungssicherheit und landwirtschaftliches Einkommen soll aber genauso Rechnung getragen werden.
