Der Bericht in der letzten «NZZ am Sonntag» über die hohen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (PSM) im Bach Wyna bei Beromünster hat in den letzten Tagen hohe Wellen geschlagen. Der gemessene Wert an Deltamethrin habe den ökotoxikologischen Schwellenwert um das bis zu 4200-Fache überschritten. Darauf hat der Kanton Luzern offenbar in einem internen Schreiben an Landwirte hingewiesen, auf das sich die «NZZ» bezieht.

Sonderbewilligung für Einsatz im ÖLN erteilt

Gewässerschutz Zuströmbereiche sind auf dem Tisch: Das schlägt der Bundesrat vor Wednesday, 26. November 2025 Für das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) seien so hohe Werte besorgniserregend, schrieb die «NZZ». Seit 2023 ist Deltamethrin nicht grundsätzlich, aber im ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) verboten, da es für Fische und Insekten hochgiftig ist. Der Wirkstoff darf aber mit Sonderbewilligung auch im ÖLN eingesetzt werden.

Die hohen Konzentrationen wurden offenbar bei einer Messstelle des nationalen Messnetzes in der Wyna zwischen dem 8. September und dem 8. Oktober 2025 festgestellt. Genau in diesem Zeitfenster habe die Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) individuelle Gesuche für die Behandlung von Rapsfeldern mit sonderbewilligungspflichtigen PSM, darunter auch Deltamethrin, gegen den Schädling Rapserdfloh bewilligt, bestätigt Pflanzenschutzfachmann Mario Kurmann vom BBZN Hohenrain. Gemäss Uvek gibt es derzeit keine gleichwertigen Alternativen zum Schutz bestimmter Kulturen, sodass der Wirkstoff für die Landwirtschaft bedeutend sei.

Aktuell würden elf Pflanzenschutzmittel über eine offizielle Zulassung mit dem Wirkstoff Deltamethrin verfügen. Im ÖLN wird der Einsatz dieser Mittel grundsätzlich eingeschränkt und ist nur mit einer Sonderbewilligung möglich. Wird diese aufgrund von Kriterien wie Zustand der Kulturen, Schadschwelle, Witterungsverhältnissen usw. erteilt, so dürfen Anwender(innen) ein entsprechendes Pflanzenschutzmittel gemäss den rechtlichen Vorgaben auf der beantragten Parzelle einsetzen. Die Situation und der Schädlingsdruck sind je nach Jahr unterschiedlich. Neben dem Wirkstoff Delthamethrin seien drei weitere Wirkstoffe für die Bekämpfung des Rapserdflohs zugelassen. Diese drei Wirkstoffe gehören ebenfalls zur Gruppe der Pyrethroide und hätten ähnliche Eigenschaften.

Nur vereinzelte Messungen

Abo Beurteilung der Feldspritze: Berater Ruedi Barmettler (r.) im Gespräch mit Landwirt Andreas Stuber auf der Chüeschwand in Rothenburg. Pflanzenschutz Beratung auf dem Hof – «Man kann immer besser werden» Tuesday, 22. April 2025 Der Kanton Luzern wolle nun dieser hohen Belastung mit PSM in der Wyna nachgehen, berichtete die «Luzerner Zeitung». Die hohe Belastung sei nur über einen Zeitraum von zwei Wochen aufgetreten, wird Werner Göggel von der Dienststelle Umwelt und Energie zitiert. Messungen zu Deltamethrin würden aufgrund der hohen Komplexität nur vereinzelt durchgeführt, eine Übersicht über den Kanton und die Schweiz fehle, und eine so hohe Überschreitung wie an der Wyna sei andernorts nicht festgestellt worden, so Göggel.

Bereits seit längerer Zeit gebe es einen runden Tisch mit Betroffenen im Einzugsgebiet der Wyna, zumal in diesem Gebiet intensiv Ackerbau betrieben werde, sagt Raphael Felder vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV). Im erwähnten, schon im November versandten Schreiben an die Landwirte sei auf die aktuellen Messwerte und mögliche Massnahmen zur Reduktion hingewiesen worden, die an einem weiteren Treffen im Frühjahr beraten werden sollen.

Im Rahmen des 2023 gestarteten Luzerner Projekts «Absenkpfad Pflanzenschutzmittel» laufe nicht nur in dieser Region eine Sensibilisierungskampagne zum Umgang mit PSM, ergänzt Mario Kurmann. Ziel sei eine korrekte Anwendung, damit der Schutz der Kulturen und der Umwelt wirkungsvoll umgesetzt werden könne.

Kantonale Beratung zur Risikoreduktion nutzen

Risiken für Einträge von PSM in Gewässer seien Punktquellen wie nichtkonforme Wasch- und Befüllplätze für Spritzen oder diffuse Quellen im Feld wie Abdrift, Schachtdeckel oder Drainagen. Der Kanton bietet seit einiger Zeit eine «betriebsspezifische Beratung zur Risikoreduktion beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln» an. 

Derzeit läuft die Vernehmlassung zur Änderung der Gewässerschutzverordnung. Darin sollen für weitere Pestizide neue Grenzwerte festgelegt werden, bei Deltamethrin will der Bund auf die Festlegung eines Grenzwertes verzichten.