Der Seniorchef Fritz Hugi ist ein Bauer alter Schule; was er macht, macht er gut und sauber. Viele Jahre lang produzierte er Milch für die Emmentaler-Dorfkäserei, war auch Präsident der Käsereigenossenschaft von Oberwil bei Büren BE. Die Kühe wurden täglich über die immer stärker befahrene Kantonsstrasse auf die Weide getrieben. Für Fritz Hugi war es selbstverständlich, die Strasse dabei immer sauber zu halten. Wegen des Verkehrs konnten die Weidschnüre nicht vorher gespannt werden, also mussten Hugis immer zu zweit sein, um die Tiere auf und von der Weide zu treiben.
Das tägliche Eingrasen wurde ebenfalls immer gefährlicher, da das alte Bauernhaus direkt an der steilen und kurvigen Strasse steht. Mit dem Ladewagen musste rückwärts ins Futtertenn manövriert werden. Unvergessen bleibt Hugi der Moment, als ein Velofahrer mit viel Schuss beim Bremsen stürzte und unter dem Ladewagen durchrutschte. Die Arbeitsbelastung war enorm, gerade auch weil Familie Hugi, zusammen mit ihrem Nachbarn Rolf Lerch, eine Tierhaltergemeinschaft gebildet und eine Pouletmasthalle auf einer betriebseigenen Parzelle ausserhalb des Dorfes errichtet hatte.
Die Mutterkuhhaltung löste viele Probleme
Als der Leidensdruck gross genug war, handelte Fritz Hugi und wechselte im Jahr 2007 von der Milch- zu der Mutterkuhhaltung. Er kaufte Black-Angus-Mutterkühe mit nachgewiesener Abstammung, und trat dem Verein Mutterkuh Schweiz bei. Der Wechsel wurde von der ganzen Familie als befreiend empfunden.
Fritz Hugi sagt dazu: «Das war meine schönste Zeit als Bauer, als ich plötzlich nicht mehr so stark getaktet leben musste, und hie und da auch etwas länger an einem schönen Ort verweilen konnte. Ich empfand das als grosse Zunahme an Lebensqualität.» Die Arbeitsbelastungen konnten nun viel besser verteilt werden.
Betriebsübernahme der jüngeren Generation
Im Jahr 2020 hat Sohn Jonas, zusammen mit seiner Frau Karin, den Betrieb übernommen. Die Mutterkuhherde umfasst heute sechs Kühe und ihre Jungtiere. Dazu kommen die Remonten aus eigener Zucht. Bedingt durch die eingeschränkten Platzverhältnisse beim Bauernhaus kann die Herde nicht grösser werden.
Jonas Hugi sagt: «In der Mutterkuhhaltung sehe ich eine gute Möglichkeit, Kreisläufe im Betrieb sinnvoll zu schliessen und dabei ein positives Bild der Landwirtschaft zu vermitteln. Da die Betreuung der Herde flexibel erfolgen kann, passt sie sehr gut zu unserem Ackerbaubetrieb.»
Die Vermarktung macht Freude
Die Vermarktung passiert als «Natura-Beef» über Vianco und auch über den Direktverkauf. Drei Tiere pro Jahr lassen Hugis bei Metzger Schenk, in Detligen BE, schlachten und zerlegen. Am mit den Fleischkunden vereinbarten Abholtag werden die Mischpakete von 5 und 10 kg im Kühlanhänger des Metzgers auf den Hof gebracht und dann verteilt. Es gibt eine Warteliste von Konsumenten des Angus-Fleisches. Karin Hugi sagt dazu: «Mich freut es, wenn ich den Kundinnen ein qualitativ so hochstehendes Produkt anbieten darf.»
Der Umgang mit den Tieren ist familiär
Die Herde weidet auf Grenzertragsflächen. Auch hier gilt für Familie Hugi das Prinzip der Ordnung und Sauberkeit; die Umgebung der Futterraufe und die Tränkestellen werden stets sauber gehalten und wenn nötig verlegt. Mindestens einmal täglich wird die Herde besucht und kontrolliert.
Die Kühe sind den Umgang mit Menschen gewöhnt, und sie erkennen den Salzkessel des Seniorchefs schon von Weitem. Der Transport der Kühe und Kälber von einer Weide zur andern erfolgt mit dem grossen Hauswirth-Viehwagen. Im Winter sind die Tiere im alten, umgebauten Milchviehstall untergebracht, von wo sie Zugang zum Laufhof haben. Gefüttert werden die Tiere im Winter mit eigener Maissilage und Heu. Da der Stall auch manuell sauber gehalten wird, rechnen Hugis im Winter mit rund zwei Stunden Arbeit täglich für die Angus-Herde. Im Sommer sind es dann aber nur wenige Minuten.
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Bisher gemachte Erfahrungen mit der Rasse Black-Angus
Die Brunsterkennung kann bei den Angus-Kühen der Familie Hugi ein Problem sein. Darum haben sie auch schon sogenannte Leasing-Muni eingesetzt. Das heisst, dass ein Stier für eine gewisse Zeit gemietet wird, bis alle Kühe trächtig sind. Das führte zu einem anderen Problem, da der Stier auch die zu jungen Gusti besamte.
Der Mutterinstinkt der Tiere kann für die Betreuer auch herausfordernd werden, gerade im Stall, wo ein Ausweichen nicht so einfach ist. Sobald eine Kuh ein Problem beim Kalbern hat, wird es ebenfalls schwierig, weil die Tiere den nahen Kontakt zum Menschen nicht gewohnt sind und sich daher nicht helfen lassen wollen.
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Der verlorene Elmar; eine Story mit Happy-End
Für eine besondere Anekdote sorgte das junge Angus-Kälblein «Elmar»; kurz nach seiner Geburt, bei einem heftigen Gewitter, waren die Tiere auf der Weide neben dem stark anschwellenden Bach. Jonas Hugi kontrollierte die Herde im strömenden Regen und bei Blitz und Donner, stellte dabei fest, dass «Elmar» fehlte, und organisierte sofort eine grossangelegte Suche.
Nach drei Stunden brachen Hugis die Suche niedergeschlagen ab, da sie glaubten, das Kälblein sei vom tosenden Dorfbach mitgerissen worden. Als Karin Hugi von ihrer Arbeit nach Hause kam, hörte sie ein leises Muhen in Nachbars Garten – und unter einer Hecke lag der gesuchte «Elmar». Dieser hatte dort, nachdem er zwei Zäune unterquert hatte, vor dem Gewitter Schutz gefunden. Senior Fritz Hugi sagte dazu: «Wäre er nicht gefunden worden, hätte ich ein paar Nächte lang nicht gut schlafen können.»
Betrieb Hugi im Möösli, Oberwil bei Büren BE
Fläche: 30 ha LN
Ackerbau: 3.5 ha Zuckerrüben, 3.5 ha Raps, 9.0 ha Weizen, 3.5 ha Gerste, 6 ha Mais für Eigenbedarf aber auch zum Verkauf
Tierhaltung: Betriebszweiggemeinschaft Pouletmasthalle, Mutterkühe der Rasse Black-Angus mit nachgewiesener Abstammung und mit Eigenremontierung.