Als leidenschaftlicher Aareschwimmer bin ich im Sommer wie auch im Winter regelmässig in der Aare. Dabei schwimme ich jeweils gerne auf dem Rücken, so kann ich die Umgebung entspannt beobachten. Mitte August sah ich dann auf der Höhe von Bremgarten BE, meinem Wohnort, in einer Buche einen grossen, braunen Ballon hängen. Dem wollte ich nachgehen.
Die Hornissen verhielten sich seltsam
Als ich anschliessend den Uferweg flussaufwärts ging, sah ich, dass dies nicht ein Ballon, sondern ein riesiges Hornissennest war. Als «Bäumeler», sprich als jemand, der sich für Bäume interessiert, und als Hobby-Ornithologe bin ich entsprechend ausgerüstet. Das heisst, ich beobachtete das Hornissennest die nächsten zwei Wochen lang immer wieder mit meinem Feldstecher. Da ich wusste, dass die europäische Hornisse in der Schweiz geschützt ist, habe ich erstmal nichts weiter unternommen. Allerdings ist mir bald schon aufgefallen, dass die Hornissen sich anders verhielten als gewohnt. Denn diese haben das Nest nicht von unten angeflogen und verlassen, sondern hatten seitliche Einfluglöcher.
Etwas kleiner und dunkler als einheimische Hornissen
Ebenfalls fiel mir auf, dass die Hornissen etwas kleiner und dunkler schienen. So machte ich mich schlau und fand heraus, dass dies Asiatische Hornissen sein mussten. Ich lud meinen Fund auch in meinen Whatsapp-Status hoch, wodurch ich erfuhr, dass weder die Nachbarn noch die Gemeinde von dem Nest Kenntnis hatten. Daraufhin meldete ich mich bei der regionalen Feuerwehr, damit diese das Nest fachgerecht entfernen konnte.[IMG 2-3]
Am darauffolgenden Samstag war es so weit: Die Quartierstrasse wurde gesperrt und die Feuerwehr rückte mit der grossen Drehleiter an. Es kamen viele «gwunderige» Leute dazu, ja, es bildete sich regelrecht ein Volksauflauf.
Die beiden Spezialisten, die im Korb waren, trugen eine komplette Schutzmontur – man hätte meinen können, sie wären auf einer Mondmission. Trotz komplett ausgefahrener Drehleiter konnten sie das Nest nicht erreichen. Das heisst, die beiden Feuerwehrmänner und hunderte von Hornissen, die um sie herumflogen, wurden wieder heruntergelassen. Es war ein richtiger Schwarm um die Drehleiter, entsprechend wurden die Schaulustigen angehalten, sofort in ihre Häuser zu gehen und die Fenster zu schliessen. Also musste die Feuerwehr den Auftrag weitergeben.
Es brauchte einen zweiten Anlauf
Weitere zwei Wochen später kamen die Spezialisten, gefolgt von knapp einem Dutzend weiterer Leute, unter anderem Naturschützer und einem Ornithologen. Die Spezialisten hatten eine extrem lange Teleskoprute dabei, in deren Innern sich ein dünner blauer Schlauch befand. Mithilfe dessen wurden Löcher in das Nest gestochen und Kohlendioxid hineingespritzt. Nach ungefähr zwei Stunden waren sich die Spezialisten sicher, dass sie die Asiatischen Hornissen beseitigt hatten. Sie höhlten dann das Nest aus und nahmen die Waben mit, um sicherzustellen, dass keine Larven mehr schlüpfen würden. Da das Nest durch ein Astloch hindurch gebaut wurde, konnten sie es nicht vollständig vom Baum entfernen.[IMG 4-5]
Die Grösse des Nests mit ungefähr 70 cm Länge und 40 bis 45 cm Durchmesser war extrem imposant. Mittlerweile hängen nur noch Teile des Nests in der Buche, denn die Witterung und der Wind haben es immer weiter zerstört.
Gekostet hat mich der Einsatz nichts, wobei sich das Nest allerdings auch nicht bei mir auf dem Grundstück befand. Die Grundeigentümer hatten die Asiatischen Hornissen weder gesehen noch das Nest entdeckt. Da es in deren Ferien entfernt wurde, staunten sie nicht schlecht, als ich ihnen davon berichtete.
Mein Rat an alle: Schaut euch mehr um
Mit meinem Erlebnis möchte ich die Leute dazu anregen, die Umgebung stärker wahrzunehmen, sich mehr zu achten. Ich bin jemand, der immer auch in die Bäume sieht, an der Aare schon Wasseramseln und Eisvögel beobachten konnte. Und nun habe ich eben das Asiatische Hornissennest entdeckt. Es lohnt sich, sich vermehrt umzuschauen. Und gerade jetzt, wo die Bäume schon sehr viel Laub abgeworfen haben, würde man ein Hornissennest viel besser sehen und könnte es anschliessend melden.