Glocken sind in der Alp- und Weidehalten wichtig, um das Vieh auch bei schlechtem Wetter besser finden zu können. Auch für Peter Hensler ist das Glockengeläut seiner Alp- und Weidetiere wichtig. Doch für ihn bedeuten Kuhglocken noch viel mehr, sie sind seit seinen Jugendjahren eine grosse Leidenschaft. «Mit meinem ersten Lehrlingslohn kaufte ich mir eine Zurfluh-Fahrtreichel Nummer 5», erklärt der 39-jährige Landwirt auf seinem Bauernhof Beugen. Dass es nicht bei diesem einen Exemplar geblieben ist, zeigt sich an der Remisen-Wand: Gegen 30 imposante Fahrtreicheln und etwa gleich viele grosse Bissen hängen dort fein säuberlich poliert.
Kuhglocken sorgen für Hühnerhaut
Die Familie Hensler ist für ihre eindrückliche Sammlung an Kuhglocken bekannt. Ob an der alle fünf Jahre stattfindenden grossen Alpabfahrt im Klosterdorf Einsiedeln, der lokalen Bezirksviehschau oder beim Alpauf- und Abzug. Schon so mancher Zuschauer bekam vom Kuhgeläut der Familie Hensler Hühnerhaut. Neben rund 30 Fahrtreicheln und 50 Bissen besitzt Peter Hensler auch noch ca. 200 Weidetreicheln, mit welchen seine 40 Kühe, 80 Stück Jungvieh, Schafe und Ziegen über die Sommermonate unterwegs sind. «Schon mein Vater und Onkel hatten eine stattliche Sammlung, ich ergänzte diese in den letzten Jahren laufend», so Peter Hensler.
Die passende Glocke für jedes Tier
Kuhglocken sind nicht nur die Leidenschaft der Familie Hensler, auch ihr Vieh kennt nichts anderes. «Hören unsere alten Kühe im Frühjahr den Klang einer Fahrtreichel, steigt bei ihnen die Anspannung, denn sie wissen, jetzt geht es z Alp.» Die Weideglocken seien auf Alpen und Weiden nicht nur wertvoll, um die Tiere bei schlechtem Wetter zu orten. Auch dem Vieh selber würde ohne Glocken etwas fehlen: «Unsere Tiere haben Freude, mit den Treicheln auf der Weide oder Alp unterwegs zu sein. Gerade ältere Kühe zeigen sich teils sogar enttäuscht, wenn sie beim rund 3 ½ stündigen Alpauf- und Abzug eine kleinere Fahrtreichel anstelle einer grossen Glocke umgehängt bekommen», betont der 39-Jährige Meisterlandwirt. Beim rund 3 ½ stündigen Marsch sei es wichtig, den richtigen Kühen die entsprechenden Glocken umzuhängen. Nicht jedes Tier könne mit einer grossen, gegen 20 Kilogramm schweren Fahrtreichel gut laufen und dabei auch noch gut «trychlen». Die Hornkühe der Familie Hensler sind sich allerdings gewohnt, mit den Fahrtreicheln unterwegs zu sein. Bereits als Rinder laufen sie – mit noch kleinerem Geläut um den Hals – in Richtung der selbstbewirtschafteten Alp Stäubrig. Je kräftiger die Tiere werden, desto grössere Glocken werden ihnen umgehängt.
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Starke und breite Hornkühe
Peter Hensler züchtet auf robuste und breite Braunvieh-Tiere, weil sie sich auf der Alp und auf dem Bergbetrieb bewähren. Um eine einheitliche Herde zu erhalten, arbeitet die Familie Hensler mit einem Natursprungstier. Die Kühe werden wenn möglich saisonal in der zweiten Winterhälfte gedeckt. Damit kann eine schöne Zahl der Kühe auf der Alp trockengestellt werden und kalbt dann im November und Dezember wieder ab. «Dieses System hat sich bei uns in den letzten Jahren bewährt», so Peter Hensler. In den langen Wintermonaten gibt es im Anbindestall dadurch viel Arbeit, welche Peter und seine Frau Ilaria mit der grossen Unterstützung von Onkel Urs Hensler und zwei Auszubildende sowie einem teilzeit Angestellten bewältigt. Urs Hensler, selber ebenfalls ein Treichel-Fan, ist für die Reinigung und Pflege der Weidetreicheln zuständig (Kasten).
Junge Trychler unterstützen
Die grosse Sammlung von Fahrtreicheln der Familie Hensler wird nicht nur dem Vieh umgebunden. Zusammen mit den zehn kunstvoll bestickten Überzugsriemen, welche Peter Hensler in stundenlanger Feinarbeit selber bestickt hat, kommen sie auch bei Anlässen und Auftritten der Trychlergruppe Trachslau zum Einsatz. Gerade beim Eintrychlen am Dreikönigstag stellt Peter Hensler teilweise seine 30 Fahrtreicheln bereit. Nicht alle aus der Trychlergruppe hätten eigene Trycheln, darum stelle er seine eigenen zur Verfügung. Gerade Jugendlichen würde das Geld für eigene Glocken oftmals noch fehlen, denn eine grosse Fahrtreichel inklusive Deckriemen koste schnell einmal gegen 2500 Franken. Aber es gebe auch das Umgekehrte: «Ich kenne Treicheln-Sammler mit über 100 Exemplaren, die keine einzige Kuh in Besitz haben.»
Fast alle Glocken im Einsatz
Die gesamthaft ca. 280 Glocken der Familie Hensler sind hingegen bis auf ein ganz besonderes Exemplar alle im Einsatz. Nur die grosse Fuchs-Fahrtreichel, die Ilaria und Peter zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen haben, glänzt im Wohnhaus noch ungebraucht.
Pflege und Reparatur der Glocken
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Riemen und Glocken würden bei richtiger Pflege jahrelang Freude machen. Dass eine Treichel wirklich so abgenutzt und dünnwandig ist, dass sie ins Alteisen gehört, ist gemäss Peter Hensler selten. Gerade eine hochwertige Treichel aus hartem Stahl wie beispielsweise die bekannten Tresch-Trychlen gehen fast nicht kaputt. Schon eher müsse da der Kallen ersetzt werden, da dieser abgenutzt sei. Teils wechselt Peter Hensler diesen selber, meist bringt er die Glocken aber seinem Cousin Erwin Auf der Maur nach Emmetten NW, der selber auch Bissen herstellt. Auch defekte Riemen lässt Peter mittlerweile mehrheitlich von Erwin Auf der Maur reparieren.
Wichtig sei, die Glocken gut einzuwintern. Die Riemen der Weide-Treicheln werden dabei mit Bürste und warmem Schmierseifen-Wasser gereinigt. Nach einer Alpsommer-Saison könne sich auf dem Leder wegen dem Haarfett und dem von Bäumen stammenden Harz eine ganze Menge Schmutz ansammeln. Da komme auch mal ein Spachtel zum Einsatz. Auf den Hochdruckreiniger wird verzichtet, da das Leder unter dem starken Wasserstrahl zu stark leiden würde. Sind die Riemen und Treicheln sauber und abgetrocknet, werden diese mit dünnflüssigem schwarzem Lederöl respektive mit Hydraulik-Öl eingeschmiert. Die Deckriemen und die Riemen der Fahrtreicheln werden mit transparentem Lederfett behandelt. Um die Abnützung des Kallen zu vermindern, wird der Kallen-Bogen mitsamt der Aufhängung mit ein wenig Maschinenfett versehen. Gerade bei den grossen Fahrtreicheln stülpt Peter Hensler über den Kallen-Bogen zudem einen Gummischlauch. Dieser vermindert einerseits ebenfalls die Abnützung, andererseits können dadurch auch Vibrationen verhindert werden, welche den Klang negativ beeinflussen. Über den Winter werden die Glocken dann an einem Rundholz aufgehängt, wodurch der Riemen in guter Form bleibt.
