Robert Dreier, Präsident des Solothurner Bauernverbands (SOBV), eröffnete die Versammlung mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr. Er betonte zwar, dass 2025 ein gutes Landwirtschaftsjahr war. Aber beim Milchmarkt treffen die dank ausgezeichnetem Grundfutter hohen Milchmengen auf besonders tiefe Milchpreise in der EU. Dieser Effekt wird durch unsere starke Währung noch verschärft.
Auch der Schweinemarkt macht Sorgen, denn es werden pro Woche rund dreitausend Schweine zu viel produziert. Das besondere Augenmerk des Verbandes liegt auf kostendeckenden Produzentenpreisen. Robert Dreier wünscht sich eine agrarpolitische Evolution in der AP 30+. Die hundert Delegierten und ein paar Dutzend Gäste erhoben sich für eine Schweigeminute zu Ehren der gestorbenen Verbandsmitglieder.
Eine Knacknuss wird das revidierte Raumplanungsgesetz RPG 2
Der Geschäftsführer Edgar Kupper ging in seinem Referat auf die Aufgaben und Leistungen des Verbandes ein. Ein spezielles Thema ist das RPG 2: Der Kanton Solothurn hat in der Landwirtschaftszone 11 307 landwirtschaftliche Gebäude. Das heisst, dass nur noch 228 neue landwirtschaftliche Gebäude ausserhalb der Bauzonen erstellt werden können (erlaubt ist eine maximale Zunahme von 2 %). Die genauen Verfahren dazu, auch mit der geplanten Abbruchprämie, sind bis jetzt sogar den Fachleuten noch nicht bekannt.
Bei der Totalrevision des solothurnischen Waldgesetzes ist die statische Waldgrenze ein wichtiges Thema. Der Kanton Solothurn hat seit 1975 rund tausend Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche durch Wald-Einwuchs (mit einer dynamischen Waldgrenze) verloren. Neu sollen die statischen Waldgrenzen festgelegt werden. Der SOBV unterstützt Landwirte, wenn sie dazu Fragen haben.
Ein junger Schweinezüchter wurde neu in den Vorstand gewählt
Für den zurücktretenden Andreas Heiniger vom Bezirksverein Thal wurde Christoph Meister aus Matzendorf mit Applaus gewählt. Er bewirtschaftet einen Schweinezuchtbetrieb mit achtzig Muttersauen und 26 ha LN in der Hügelzone. Dabei produziert er mit einem Lehrling und einem Teilzeitmitarbeiter Heu zum Verkauf, Brotgetreide und Himbeeren.
Der Präsident Robert Dreier und der Vizepräsident Christoph Haefely wurden einstimmig wiedergewählt. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden ebenfalls im Amt bestätigt. Auch alle anderen statutarischen Geschäfte wurden von den Delegierten im Sinne des Vorstandes angenommen.
Andreas Schwab, der Geschäftsführer der SOBV Dienstleistungen AG, erläuterte den guten Geschäftsgang. Das Unternehmen arbeitet in der landwirtschaftlichen Beratung und führt auch die solothurnische Agrisano-Stelle. Den Bauern empfiehlt Schwab, ihre Versicherungen regelmässig durch einen Versicherungsberater überprüfen zu lassen, um Unter- oder Überdeckungen zu vermeiden.
Der Beteiligungsbetrag, den die SOBV Dienstleistungen AG jährlich an den Bauernverband entrichtet, trägt wesentlich zur guten Jahresrechnung desselben bei.
Junge Frauen in der solothurnischen Landwirtschaft überzeugen mit grossen Leistungen
Buchstäblich von den Sitzen gerissen wurden die Anwesenden durch den Auftritt der Landwirtin Melanie Ackermann aus Wolfwil. Im Sommer 2025 hat sie den EFZ-Lehrabschluss als Landwirtin mit der besten Note vom Kanton Solothurn geschafft und danach bei den nationalen Berufsmeisterschaften Swiss Skills im Berufsfeld Landwirtschaft den ersten Rang erreicht. Ackermann wurde mit stehendem Applaus begrüsst und geehrt. Der Präsident des SOBV überreichte ihr eine schöne Kuhglocke als Anerkennung ihrer Leistung. Auf die Frage, was sie sich von der Politik für die Zukunft wünsche, sagte sie: «Ich möchte Lebensmittel produzieren. Dafür müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen.» Sie arbeitet zurzeit auf einem gemischten Betrieb mit zwei Melkrobotern.
Ebenfalls mit einem Applaus und mit je einem grossen Blumenbukett wurden die zwei diplomierten Agro-Technikerinnen Bettina Stuber aus Tscheppach und Ramona Kofmel aus Oberdorf für hervorragende Leistungen in ihren Diplomarbeiten geehrt.
Die Märkte und die Finanzpolitik des Bundes beschäftigen
Nach den Grussbotschaften der Volkswirtschaftsdirektorin Sibylle Jeker und der Kantonsratspräsidentin Myriam Frey Schär sprach Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbandes, über die aktuellen Themen in der Landwirtschaft. Er betonte, dass die Märkte und auch die Finanzpolitik des Bundes grosse Herausforderungen darstellten.
Seit 2007 sind die Bundesausgaben im Bereich Landwirtschaft gleich geblieben, sie sind also an den steigenden Bundesausgaben nicht schuld. Der Bauernverband fordert darum, dass der Zahlungsrahmen für die Landwirtschaft gleich bleibt wie bisher. Die hängigen Initiativen bereiten Rufer und dem SBV Kopfzerbrechen. Ein Selbstversorgungsgrad von 70 % sei in der heutigen Schweiz und mit den heutigen Konsumenten gar nicht mehr realisierbar. Rufer vertraut auf den gesunden Menschenverstand des Stimmvolkes.
Agrarpolitik 2030+, «Die Quadratur des Kreises?»
«Agrarpolitik 2030+: Wohin führt der Weg?» Diese Frage stellte Christian Hofer, der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), in seinem Referat. Die Vision Landwirtschaft 2050 sieht «Ernährungssicherheit durch Nachhaltigkeit von der Produktion bis zum Konsum» vor.
Der Auftrag des Parlaments enthält vier Eckwerte: die Sicherstellung der Ernährungssicherheit, die Reduktion des ökologischen Fussabdrucks, die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven und die Vereinfachung des administrativen Aufwandes. Ein Delegierter meinte dazu: «Das tönt wie die Quadratur des Kreises.»



